Bildbeschreibung des Bilderkreuzes von Michael Posin

Das aus siebzehn einzelnen Gemälden (Öl auf Leinwand) zusammengesetzte Bilderkreuz ist 7,50m hoch und 4,30m breit. Die intiutive Bildzusammenstellung lässt eine theologische Abfolge des Heilsgeschehen Jesu Christi erkennen. Der russische Künstler Michael Posin schuf dieses Bilderkreuz in den Jahren 1996-1998 in Berlin-Neukölln.

Der un(Ge)sichtbare Gott, der in seinem Sohn für die Welt ein Gesicht bekam, ist wie ein Berg, aus dem das Leben wie Wasser fließt, dargestellt.

Links auf dem Kreuzbalken zeigen die Stadtmauern von Jerusalem und auf der anderen Seite der Regenbogen und die freiwerdende Erde den Alten Bund. Der militant gewordene Mensch, der in Jesus Gott am Kreuz hinrichtet, wird in den Neuen Bund geführt. Im Gesichtsausdruck des Verbrechers zur linken Jesu wird das ganze Elend des lästernden, überheblichen Menschen dargestellt. Er merkt nicht, dass er am Kreuz hängt und sich selbst schon umgebracht hat. Der andere erkennt seine Schuld vor dem Gekreuzigten und beginnt so zu beten. Die ausgebreiteten Arme des leidenden Jesus wirken wie eine liebevolle Umarmung der unversöhnlichen Menschheit. Es kommt zum Tod. Die dunklen Tafeln am Fuß des Kreuzes zeigen, die hoffnungslose Wirklichkeit des Todes. Die Konturen lassen vom Schmerz und von Verzweiflung zerfressene Gesichtsfetzen ahnen. Rechts darüber ist die Verzweiflung der Mutter, die ihren toten Sohn in den Händen hält, konkret. Daneben erhellt der Blick in die Auferstehung. Die Hand kann sie nicht greifen; der Kopf kann sie nicht verstehen; das Auge (schaut sicher in die andere Richtung) kann sie nicht sehen: die Wirklichkeit der Auferstehung. Ob bei der Verklärung, der Auferstehung Jesu oder der Himmelfahrt: Wir Menschen können unsere Zukunft nicht mit den Sinnen erfassen aber die Seele ist außer sich. Sie spürt, was unsere Wahrnehmung übersteigt, die Liebe. Sie ist stärker als der Tod. Deshalb geht sie in den Tod. Jesus, der die Liebe ist, trägt das Kreuz für uns. Die Tafel neben dem Kreuz tragenden Jesus zeigt im Gesicht des Menschen die Verwirrung und Skepsis, die Zweifel und Fragen. Ob das alles etwas mit meinem konkreten Leben zu tun hat? Darüber der Verrat durch den Kuss des Judas, die Blindenheilung und der Zwölfjährige im Tempel, die Predigt Jesu. Der Engel und die den Betrachter den Rücken kehrende Frau können sowohl die Verkündigung am Grab als auch die Verkündigung der Geburt darstellen. Geburt und Tod sind so dicht beieinander. Der Tod wird die Geburt in die Auferstehung.

Pfarrer Bertram Tippelt


Michael Posin lebt in Neukölln, russischer Künstler, Kontakt: www.kunstsalon-posin.de

 

Geboren 1948 in der UdSSR, Studium an der W. A. Serow  Kunstfachschule Leningrad, Studium an der Akademie der Künste und am Repin-Institut in Leningrad, Abschluss  als Kunstmaler und Pädagoge, seit 1988 als freischaffender Kunstmaler und Pädagoge in Berlin tätig.

Verschiedene Werke von Michael Posin wurden bereits vom Fond der Freien Russischen Gegenwartskunst München - Lenigrad und dem Museum "Kikini Palatini"  in Leningrad angekauft. Bilder von ihm befinden sich in bekannten Privatsammlungen Russlands, in Israel, Frankreich, England, Rumänien und den USA.




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