Das Wort 88,8 RBB 9.55 Uhr Sonntag 8. Juni 08 10. Sonntag im Jk A Mt 9.9-13

Er sah einen Mann mit Namen … Matthäus …

Deutlich merke ich: die Menschen machen einen Bogen um mich.

Wenn sie mich sehen, werden sie skeptisch, machen ein nachdenkliches Gesicht,

die Stirn runzelt sich eigenartig

und ich ahne nur, dass der andere etwas über mich denkt,

dass er nicht auszusprechen wagt.

Je mehr ich es wahrnehme, umso deutlicher wird mir:

Ich habe keine Freunde mehr, keine Vertrauten,

mit denen ich angstfrei und offen über alles sprechen kann,

bei denen ich mich nicht verstecken brauche und taktieren nicht notwendig ist.

Ich habe keinen Menschen mehr, der mir vertraut

bei dem ich sein kann wie ich bin,

wo meine Unvollkommenheiten nicht wehtun,

bei dem ich mich geborgen fühle.

So einen Menschen habe ich nicht mehr.

 

Ich habe sie vertrieben mit meiner egoistischen Art des Lebens.

Oft sehe ich nur den eigenen Vorteil, gehe über Leichen, um meinen Willen durchzusetzen und bemerke den anderen gar nicht

in seiner Art und Situation, in seiner Freude und seinem Leid. Ich sehe den anderen immer nur als Objekt meines Berufes und nicht als Mensch.

Ich habe glaube ich so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.

 

Wissen Sie, im Innersten sehne ich mich nach einem vertrauten Menschen, der mich mit all meinen Schwächen annimmt, bedingungslos, der mich aushält und mich genau dadurch zur Änderung meines Lebens wandelt.

 

Und dann kommt dieser Mann daher. Die Leute sagen, seine Art und sein Wort bewegt selbst die, die sich nie bewegen lassen, die wie erstarrt sind, die sich selbst aufgegeben haben. Er spricht mich an und sagt: Matthäus – ich höre zum ersten Mal meinen Namen in so einem liebevollen, vertrauten Ton. Es klingt als traute er mir zu zuhören, was mein Name bedeutet und bezeichnet.

Jetzt höre ich es sogar: Matthäus -  das heißt „Geschenk von Gott“.

Die hebräische Sprache verblüfft mich. Ich höre zum ersten mal: Ich bin ein Geschenk Gottes für die Menschen, die Welt für alle. Das berührt mich. Ich lasse mich davon bewegen, gehe ihm nach und mein Leben bekommt einen neuen Sinn.

 

Jesus sah einen Mann mit Namen Matthäus und sagte folge mir.

 

Auch sie sind von Jesus angesehen, geliebt und angesprochen.

Ich wünsche Ihnen in der kommenden Woche Menschen, die ihnen Ansehen schenken und Zuneigung und ein Wort, das versöhnt und heilt.

Pfarrer Bertram Tippelt




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