Liebe Gemeinde

der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt“, so hören wir am Erntedankfest durch den Evangelisten Lukas Jesus der Menschenmenge sagen. Ein provokantes Wort in einer Zeit, wo alles zum Sparen aufruft. Die Geschichte vom erfolgreichen Bauern, der soviel erntet, dass seine Scheunen nicht ausreichen, ist ein Bild für eine Welt, die gewonnene Schätze zu verwalten hat. Fragen wir uns: War die Ernte gut? Sind unsere Scheunen voll? Leben wir im Überfluss?

Für unsere Gemeinde St. Dominicus dürfen wir dieser Tage auf 40 Jahre Gemeindeleben zurückblicken. Das Feld wurde und wird fleißig beackert: Menschen lernen sich lieben. Kinder werden geboren. Wir tragen unsere Toten zu  Grabe. Gott wird gedankt. Gottesdienst wird gefeiert. Gruppen und Kreise fördern die Gemeinschaft. Krisen werden bewältigt. Werte werden vermittelt. Kindergarten und Schule, Hort und Kindergruppen, Jugendliche und Erwachsene, Senioren, Männer und Frauen, Vereine und Verbände treffen sich im Schatten unseres Kirchturms und leben ihr christliches Zeugnis der Liebe Gottes in sehr unterschiedlicher Weise. Gute Ernte? Ja, eine gute Ernte. Manchmal ist es so viel, dass die Scheunen nicht reichen. Ein wirklicher Segen. Jedes Gebet, Gedenken, jede Gabe, jedes Anliegen, die zur Gabenbereitung auf den Altar gelegt werden, finden die Berührung Jesu und die Wandlung in seine Nähe und Geborgenheit. So dürfen wir uns als Gemeinde bei ihm aufgehoben wissen.

Der Sinn aber besteht nicht im Überfluss, sondern im Umgang mit dem Überfluss zum Wohl aller. Der dem anderen gegebene Schatz ist der bei Gott für mich gesammelte. Die Logik der Liebe ist nicht mathematisch, sondern der Überfluss der Liebe findet seine Erfüllung im Glück der Liebenden. Die Ur-Sache der Liebe liegt in der Hingabe Jesu. Sie provoziert zur Nachfolge. Sie motiviert sich vom Egoismus zu verabschieden und die Dankbarkeit durch Geben zu leben. Die Liebe füllt so das Leben neu.

Die Scheunen reichen allemal, wenn wir teilen: mit den Armen dieser Welt unseren Reichtum, mit den Kindern unsere Lebenszeit, mit den Einsamen unsere Gemeinschaft, mit den Kranken unsere Anteilnahme, mit den Hoffnungslosen unsere Hoffnung, mit den Ziellosen unser Ziel, mit den Verzweifelten unsere Solidarität, mit den Sterbenden unseren Glauben.

Der Reichtum vor Gott ist unsere Liebe und die gelebte Liebe ist unser Glück. Wir werden sicher nicht die vollen Portemonnaises und dicken Konten dabei anhäufen. Wir werden aber ein glückliches Herz haben und einen Schatz im Himmel, der uns schon heute lächeln lässt.

So ist Dankbarkeit die mit den geschenkten Gaben weitergegebene Liebe Gottes zu uns Menschen. Sie gibt uns Sinn und Hoffnung. Unsere Gemeinde versucht dies seit ihrer Gründung durch die vielen kleinen Schritte, Initiativen, Gruppen und Zusammenkünfte durch Gebet und Gemeinschaft vor Gott. Möge die Ernte uns Ermutigung sein, Glauben zu leben. Mögen wir den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen diese Hoffnung weitergeben als Lebensgrundlage in eine sicher nicht leichte Zukunft. Mögen wir für die Menschen um uns ein Zeichen der Liebe Gottes sein. Das ist gelebter Erntedank, das ist Schätze im Himmel sammeln durch das Lächeln der Liebe in unsere Welt, in unsere Familien und Herzen hinein.

Dass uns das gelingt, dazu möge uns der Segen Gottes geschenkt werden. So grüße ich Sie herzlich Ihr
Pfarrer Bertram Tippelt




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