Auszüge aus der Zeitschrift „Schulspeisung“

Lust auf gutes Essen machen

…Konsequent auf eine frische Bio- und Vollwertküche zu setzen, ist manchmal gar nicht so einfach. Für die katholische St. Dominicusgemeinde aber ist es selbstverständlich. Etwas anderes kommt Pfarrer Bertram Tippelt und seinen engagierten Mitstreitern für eine gute Kita- und Schulverpflegung nicht auf den Teller. Überzeugt haben sie für eine neue Küche geworben und Zuschüsse und Spenden gesammelt. ... Seit einem Jahr ist es nun so weit: Der Küchenneubau auf dem Gemeindegelände ist beendet und der geschickt umgebaute Gemeindesaal wird mittags als Mensa genutzt. Jeden Tag essen hier 120 bis 140 Grundschüler der St. Marienschule.

Bekocht werden sie von Dirk Lessing. … Hier, wo er zusammen mit einem weiteren Koch und drei ehrenamtlichen HelferInnen die Küche schmeißt, wehen ihm von Seiten der Kinder schon mal ganz andere Erwartungen entgegen. Ginge es nach den Kindern, bestünde der Speiseplan vor allem aus Pommes und Burgern. … „Eigentlich ist es wie bei Lehrern auch: Jeden Neuen versuchen die Schüler erst einmal auszutricksen“, meint er schmunzelnd. Aber von dem Konzept einer frischen und biologischen Vollwertküche lässt sich hier niemand abbringen, …natürlich schmecken seine Gerichte etwas anders oder sehen auch einmal anders aus. Außerdem, weiß er, haben die meisten Eltern wenig Geld und essen zu Hause anders. …. „Uns ist deshalb wichtig, dass die Kinder ein gutes Mittagessen bekommen.“ Kinder, die überwiegend an den Einheitsgeschmack von Tiefkühlpizza und Co. gewöhnt sind, tun sich mit Neuem oft schwer. Die Herausforderung heißt deshalb, Neugier und Offenheit für Unbekanntes zu schaffen. Um das zu erreichen, hat die Schule einen praxisorientierten Weg gewählt. Neben praktischen Unterrichtseinheiten zum Thema Ernährung gibt es seit kurzem für die beiden 4. Klassen der St. Marienschule eine Koch-AG in Kooperation mit der Gemeinde St. Dominicus. Mit kostenfreier Unterstützung durch eine erfahrene und geschulte Landfrau wird hier in den nächsten Wochen eifrig der Umgang mit Lebensmitteln geübt. Nachdem die Grundschüler leckere Rezepte selbst zubereitet und ganz nebenbei wichtige Küchen- und Hygieneregeln gelernt haben, werden sie anschließend stolze Besitzer des aid-Ernährungsführerscheins sein. ... Auch Aha-Erlebnisse, z. B. die Erkenntnis, dass Nudeln aus Getreide bestehen, bestärken ihn. …. Auch auf Essensregeln werde Wert gelegt, erzählt Schulleiterin Gabriele König-Ciesielski. „Die Kinder werden zudem angeleitet, von Neuem zumindest ein Häppchen zu probieren.“

Lessing will mit seinem Essen den Geschmackshorizont der Kinder erweitern. Dabei weiß er, dass er mit den Kindern kooperieren muss. „Fenchel als Hauptgericht kommt bei vielen einfach nicht an“, hat er beispielsweise eingesehen. „Aber in einen Gemüsepuffer eingearbeitet, ist es kein Problem.“ Damit die Kinderwünsche nicht zu kurz kommen, gibt es einmal im Monat ein Wunschessen. „Süße Hauptspeisen wie zum Beispiel Buchteln mit Vanillesoße sind sehr beliebt.“ Was die Kinder mögen, weiß er nicht nur durch Essensportionen, die vielleicht zurückgehen. Die Grundschüler können jedes Menü nach Schulnoten bewerten und auf den Zettel, bevor sie ihn in die Bewertungsbox werfen, gleich noch ihr Lieblingsgericht für den nächsten Wunschtag aufschreiben. Über die Kinder will er auch die Eltern überzeugen: „Die Zufriedenheit der Eltern mit dem Schulessen basiert vor allem auf den Erzählungen der Kinder. Also muss man bei Kindern ansetzen.“ Auch die Schulleiterin mag das Essen. Ab und zu isst sie zusammen mit den Jüngsten. „Es schmeckt mir sehr gut.  Es gibt viel Gemüse, manchmal mehr, als ich zu Hause schaffe zu kochen.“ …. Der Lärmpegel sei gut erträglich. Anfang 2009 wurden Decken und Wände für rund 30.000 Euro schallgedämmt.

 

Schulspeisung

 

Für das liebevoll zubereitete Essen zahlen die Eltern im Abonnement 2,50 Euro am Tag.

Rund 120 Hortkinder der 1. bis 4. Klasse essen täglich an schön eingedeckten 8er-Tischen im Mensasaal. Dazu kommen
etwa zehn bis zwanzig Schüler der Klassen 5 und 6, die freiwillig am Essen teilnehmen und für einzelne Essen je 3 Euro zahlen. Sozial schwache Familien werden aus dem eigens eingerichteten Spendenfonds „sozialer Kindermittagstisch“ unterstützt. Lessing setzt in seiner Frischküche zu 80 Prozent Bio-Lebensmittel ein. Beim Fleisch setzt er auf Neuland-Qualität, und der verwendete Fisch ist MSC-zertifiziert. Seit Anfang 2009 führt er das Bio-Siegel auf seinen abwechslungsreichen Speiseplänen. Frisch zubereitetes Bio-Essen für 2,50 Euro -  wie geht das? „Wir kaufen möglichst regional und saisonal ein, das spart schon einmal Kosten. Außerdem haben wir das Glück, mit ehrenamtlichen Helfern arbeiten zu können. …. Da er die Gerichte selbst vor Ort zubereitet, kann er sich mit einem Extraangebot aber problemlos und bereitwillig auch auf Allergiker oder Vegetarier einstellen.

…. Damit noch mehr Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen ein warmes Mittagessen erhalten und die „Schöpfung schmecken lernen“, wie Pfarrer Tippelt gern betont.

Andrea Fenner

 

 

 




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