Liebe Gemeinde,

GlockenturmuBlumen
in der engen Gropiusstadt geht „man/ frau“ eigentlich ziemlich oft an unserem Glockenturm vorüber. Er ist zwar klein im Vergleich zu den hohen Häusern und hat auch nicht die traditionelle Form; es kräht auch kein Hahn obendrauf... oder kräht gar wirklich kein Hahn nach ihm?

Früher war der Glockenturm das Zeichen der Macht der Kirche und der hohen Kunst der Baumeister. Der Turm der mittelalterlichen neustädtischen Marien­kirche meiner Heimatstadt Stralsund z.B. ist 109 m hoch, höher als der Turm der altstädtischen Nikolaikirche. Nun wird die Marienkirche mit großem modernem Stolz mit über 20 m Höhe von der neuen Sundquerung übertroffen, der Macht und dem Können der neuen Baumeister und der Technik.

Was hat also unser kleiner Glockenturm zu erzählen? Die Glocke läutet zum Engel des Herrn um 12 und um 18 Uhr. Sie erinnert an die Menschwerdung Christi. Sie ruft die Menschen zum Gottesdienst; sie läutet immer eine viertel Stunde vorher. Sie läutet seit einiger Zeit zu ganz unterschiedlichen Uhrzeiten, immer zur Wandlung in der heiligen Messe. „Nehmt und esst, das ist mein Leib für euch.“ (1 Kor 11,24)

Von Gründonnerstag, „am Abend vor seinem Leiden“ (Messbuch) bis Ostersonntag früh schweigt die Glocke. Sie sagt schweigend: Jesus ist jetzt nicht hier, er ist „hinabgestiegen zu den Toten“ (Credo).

Ein altes Sprichwort erzählt, die Glocken fliegen in dieser Zeit nach Rom, um die Osterbotschaft vom Zentrum der Christenheit auf den ganzen Erdkreis zu tragen.

Unser Glockenturm erzählt das ganze Jahr von der Auferstehung, nicht nur in der Nacht mit den Gebeten über den Beamer.

Auf der Sterbeanzeige eines ehemaligen Pfarrgemeinderatsmitgliedes ist mir diese Auferstehungsbotschaft das erste Mal aufgefallen.

Der Stamm des Kreuzes ragt tief hinein in den Beton, in das Grab. Und davor hängt auf beiden Seiten eine übergroße mit vier „Nägeln“ gehaltene Betonplatte. Sie „vernagelt“ das Grab. Der Stein ist vor das Grab gerollt. Was nagelt eigentlich uns, unseren Geist, unseren Sinn zu, dass wir manchmal vernagelt oder verbohrt keinen Ausweg sehen oder nur eingetretene, gar enge Wege gehen?

Unser Kreuz zieren vier goldene Platten, die frohe Botschaft des Evangeliums. „Er ist von den Toten auferstanden, ... geht und erzählt es meinen Brüdern“ Mk28,7.10. Die Frauen bekommen vor den ausgewählten Männern als aller­erste den Auftrag der Verkündigung der Oster­botschaft. „Und sie, Maria Magdalena, berichtete denen, mit denen sie zusammen gewesen war und die nun klagten und weinten.“ Mk 16,10

Möge unser Glockenturm immer wieder daran erinnern, dass wir über die Enge des Grabes, über die Gropiusstadt hinaus, erzählen und bezeugen, dass wir leben. Möge die goldglänzende Osterfreude, die die Kreuzplatten ausstrahlen, unsere Herzen erreichen.

So grüße ich Sie, auch im Namen unseres Pfarrers Bertram Tippelt, der z.Zt. der Redaktion im Urlaub ist, und des Redaktionsteams und wünsche gesegnete Ostern.

    Christina Brath, Gemeindereferentin




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