Liebe Gemeinde!

 

Riechen sie ihn? … den Frühling - den Aufbruch – die Auferstehung? Dieser sich jährlich wiederholende Lebensprozess ist eine für mich faszinierende Bewegung des Lebens. Er ist eine Spur unserer Zukunft. Übervoll mit Farbe, Form, Duft und Lebensverschwendung deutet er die alles Verstehen übersteigende Bewegung der transzendenten Wirklichkeit Gottes an. Im Rausch der Sinne werden diese zur Chiffre für die sich allen Sinnen entziehende Gegenwart des Ewigen. Die Bewegung des Lebendigen wird zur Erfahrung des Geistes Gottes. Er ist es, der jedes Leben ins Leben lockt.

Ein solch aufbrechender Frühling hat auch anstrengende Seiten. Manche haben mit den Pollen zu kämpfen oder irgendeiner Allergie. Aufbruch das ist anstrengend. Es bedeutet Bewegung, Wandlung, Veränderung, Dynamik, Kraft und Energie. Das kostet Mühe. Das ist nicht bequem. Das ist belastend.

Im biblischen Bild von Pfingsten ist von Sturm und Feuer die Rede, von vielen Sprachen und einem Geist. Alles noch so verschiedene wird gehalten im Zusammenhang der Liebe Gottes.

Das sind große Worte. Sie passen aber auch in unsere kleine alltägliche Wirklichkeit. Allein das allmorgendliche Aufstehen zeigt die Schwierigkeit und Last im Aufbruch oder die Fröhlichkeit, die Erwartung, die Frische und Neugier des Neubeginn. Wir leben in der Spannung von Scheitern und Glück, von Erde und Himmel, im Zwischen von Tod und Leben. Je nach Temperament können wir das durchLeiden oder erLeben. Die nächtlich-morgendliche Osternachtsfeier in unserer Gemeinde hat bei mir ähnliche Schwankungen ausgelöst. Die Anstrengung und Müdigkeit zur nächtlichen Morgenstunde konnte ich in meinen Gliedern spüren. Das war anstrengend und mühsam. Auf der anderen Seite wurde durch das Osterfeuer bildhaft etwas in mir entzündet, was ich schwer beschreiben kann. Es ist eine tiefe Berührung, ein Geheimnis unseres Lebens. Die Liebe Gottes bekommt ein Zeichen seiner realen Existenz, seiner Wirklichkeit, die alle Vorstellungen sprengt. Im Dämmerlicht der Kerzen werden die Geschichten mit Gott und den Menschen zur Reflexion des eigenen Lebens. Von Schöpfung und Befreiung, von Verheißung und Liebe ist nicht nur die Rede. Die eigenen Erfahrungen und Geschichten bekommen eine Projektionsfläche in den heiligen Schriften, Gesängen und Gebeten. Die österliche Begegnung am Grab wird so ganz individuell, sehr persönlich und erschütternd. Ostern ist gegenwärtig. Unsere Toten leben. Jesus zeigt uns den Weg dahin. Er führt uns zur Begegnung mit der Zukunft allen Seins – in seine Geborgenheit und den Todüberwindende Liebe. Sie ändert unseren Blickwinkel und das gesamte Wertesystem. Nicht mehr Wohlstand, Ansehen und Genuss stehen weit oben, sondern Glaube, Hoffnung und Liebe, die den Tod besiegen und in der personalen Begegnung mit dem Herrn ihr Ziel finden. Diesen pfingstlichen Geist wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie ganz herzlich

Ihr Pfarrer Bertram Tippelt




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