Liebe GemeindeAuferstehung Isenheimer

Der rechte, geöffnete Flügel des Isenheimer Altares birgt dieses wunderschöne Auferstehungsbild. Matthias Grünewald hat dieses unübertroffene Meisterwerk um 1513 geschaffen. Beeindruckt und erschüttert von den Pest­opfern seiner Zeit ist die Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes dem Täufer unter dem Kreuz das große Außenbild. Das Leid ist erschütternd in den Details dargestellt und Johannes spricht: Seht das Lamm Gottes …

Auf der Innenseite dieses Flügels eröffnet sich das Auferstehungsereignis genau dem linken Flügel mit der Verkündigungsszene gegenüber. Auf der einen Seite wird Gott Mensch und auf der anderen eröffnet Jesus den Menschen den Weg zur Ewigkeit, den Himmel. Das Leben des Menschen ist nicht eingesperrt in das Leid und den Tod, es ist in die Freiheit der Gegenwart Gottes gerufen. Dieses zeitlose Ereignis bereiten wir in unserer Gemeinde vor, um es mit den Christen der ganzen Welt zu feiern.

Es ist ein langer, leidvoller und existenziell-authentischer Weg. Er führt uns an den Abendmahlstisch mit den Worten Jesu: Das ist mein Leib. Das ist mein Blut.

Für die Nachfolge Christi bedeutet dies „mein Leib“ und „mein Blut“ einzusetzen für die Ärmsten der Armen. Das ist ein echtes Zeichen der Liebe. Dieses Liebesmahl führt zum Ölberg, zum Gebet, zum Gespräch mit dem Vater, mit Gott.

Die Liturgie zeichnet diese Nacht besonders eindrucksvoll nach im gemeindlichen Liebesmahl der Agapefeier und der anschließenden Ölbergstunde. Unsere KAB-Gruppe hat bei der Gestaltung dieser Anbetungsstunde immer auch einen sozialpolitischen Aspekt betrachtet, der deutlich macht: Jesus leidet in den Unterdrückten, Ausgebeuteten, Entrechteten und chancenlosen Schicksalen unserer Menschheitsgesellschaft heute im Hier und Jetzt unserer Tage.

Mit dem Gebet im Herzen geht es in die Stille der dunklen Nacht. Der Karfreitag birgt das Geheimnis des Todes. Es ist die Grenze jeder menschlichen Erfahrung. Er gehört zum Leben und wird durch Jesus zum Tor der Ewigkeit. Es ist – wie der Isenheimer Altar es ins Bild setzt – die Auferstehung die Rückseite des Todes. Kein menschliches Gesicht hat es gesehen und kann es sehen, weil wir, wie die Soldaten, in die falsche Richtung blicken und uns so selbst den Blick für die Ewigkeit nehmen.

Dennoch gibt es Zeuginnen und Zeugen der Auferstehungswirklichkeit. Die liebenden Frauen haben als erste das einzige, dem Menschen mögliche Instrument, dem Auferstandenen zu begegnen, gefunden: die Liebe.

In der Liebe können wir dem Auferstandenen begegnen. Es ist überwältigend, lebensverändernd und unglaublich schön.

Lassen wir uns anstecken von dieser den Tod überwindenden Botschaft des Glaubens!

Gesegnete Ostern und die Freude der Auferstehung wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie ganz herzlich

Ihr Pfarrer Bertram Tippelt




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