Dem heiligen Vater ganz nah

 

Meine Töchter Laila und Letizia und ich selbst konnten während des Papstbesuchs im September den Hl. Vater und seine Delegation ganz nah sehen und erleben – davon möchte ich gerne berichten.

 

Alles fing damit an, dass ich von Herrn Ernsting, dem Direktor des katholischen Hotel Aquino, vor einiger Zeit gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, während des Papstbesuchs im Hotel mitzuhelfen. Es hieß, dass die päpstliche Delegation im Hotel übernachten werde und verschiedene Programmpunkte mit dem Hl. Vater dort stattfinden sollten. Hintergrund für die Anfrage an mich war, dass ich durch einen einjährigen Rom-Aufenthalt gute Italienisch-Kenntnisse und außerdem Erfahrungen in der internationalen Hotellerie habe; meine Aufgabe war „guest relations“, also Gästebetreuung. Ich habe nicht spontan zugesagt, weil ich befürchtet habe, dass meine Töchter und ich dann die Heilige Messe nicht mitfeiern könnten. Dann jedoch reizte mich diese einmalige Chance doch zu sehr, und später stellte sich auch heraus, dass die Mitfeier beim Gottesdienst trotzdem für uns möglich sein sollte.

 

Nach mehreren vorherigen Besprechungen und Begehungen des Hotelareals trat ich am Donnerstag, dem 22. September 2011 morgens meinen Dienst an. Die Sicherheitsvorkehrungen und –kontrollen waren enorm. Ich bereitete die Zimmerschlüssel für die Delegation, die Gästelisten und anderes vor; ich fragte mich nervös, ob ich wohl die Anreden der Kardinäle & Co. richtig hinbekommen würde. Die Kardinäle spricht man nämlich mit „Euer Eminenz“ oder „Herr Kardinal“ an, sämtliche Bischöfe mit „Euer Exzellenz“, „Herr Bischof“ oder „Monsignore“ – und alles möglichst direkt in der richtigen Sprache. Was die äußerliche Differenzierung angeht, so gibt es die verschiedenen Regeln der Farbenlehre, je heller die Farbe desto höher der Rang: Die Bischöfe tragen violett, nur Kardinäle haben einen helleren Rotton.

 

Die Ankunft der Delegation verlief reibungslos, alle waren nett und eigentlich auch entspannt. Der Hl. Vater selbst ging direkt ins Haus der Dt. Bischofskonferenz, das sich wie das Hotel und die Kath. Akademie ebenso auf dem Gelände der sogenanten „Katholischen Höfe“ befindet; dort traf er sich mit unserer Bundeskanzlerin Frau Merkel.

 

Herr Ernsting sagte mir im Vorhinein, dass für die Hotelangehörigen und ihre Familien die Möglichkeit bestehen wird, ein Gruppenfoto gemeinsam mit dem Hl. Vater zu machen, und dass ich auch gerne von diesem Angebot Gebrauch machen dürfte. Ich fragte ihn: „Wissen Sie, was Sie da sagen? Meine Familie ist ziemlich groß...“ Denn auch ein Teil meiner Großfamilie (meine Eltern und ein Teil meiner Geschwister mit Familien) planten, zum Papstbesuch nach Berlin zu kommen. Kein Problem, wie schön. Alle, die hier dabei sein wollten, mußten schon am späten Vormittag im Hotel sein und eine längere Wartezeit in Kauf nehmen, die aber angenehm gestaltet wurde; u. a. konnten sie die Übertragung der Papstankunft auf einer großen Leinwand mitverfolgen. Die sämtlichen strengen Sicherheitsvorkehrungen (mit vorheriger Meldung der persönlichen Daten, Kontrollen wie am Flughafen, Sicherheitsausweise...) galten für jede Person. Irgendwann formierte sich vor dem Hotel die Gruppe. Laila und Letizia waren „im Schlepptau“ meiner Großfamilie; ich selbst hatte in dem Moment im Rezeptionsbereich ziemlich viel zu tun, schaffte es aber doch noch rechtzeitig zur Gruppe, bevor der Hl. Vater dazustiess. Zuerst aber kam Frau Merkel vorbei, die lachend sagte: „Ich weiß ja, Sie warten nicht auf mich....ER kommt gleich“....und schnell weiterlief. Dann kam er wirklich, Papst Benedikt XVI., einerseits bedächtigen, aber doch festen Schritts. Zuerst begrüßte er die ganze Gruppe und kam dann direkt auf die einzelnen Kinder zu, die alle in der vorderen Reihe standen. Jedem einzelnen Kind gab er die Hand und fragte es nach dem Namen, so auch: „Letizia, ein schöner Name!“ und „Laila, ein interessanter Name!“ Es war eine persönliche, fast freundschaftliche und trotzdem würdig-festliche Atmosphäre. Ich persönlich war tief beeindruckt von unserem Papst, dem man einerseits sein hohes Alter ansieht und der zugleich eine große Lebendigkeit und positive Autorität ausstrahlt – er wirkte väterlich, vielleicht großväterlich, im wahrsten Sinne des Wortes „den Menschen zugewandt“. Es war einfach ein Erlebnis! Die Kinder überlegten, ob sie sich nach dieser Begegnung jetzt wohl noch die Hände waschen dürften.... So nah werden sie in ihrem Leben dem Hl. Vater oder einem Nachfolger wohl nicht mehr kommen.

 

Etwas später fand ein Mittagessen mit dem Hl. Vater und seiner Delegation im Hotel statt. Ich konnte vorab die perfekten Vorbereitungen mitverfolgen, ganz wichtig z. B. die Tischordnung.... Wissen Sie, für was das Kürzel „SP“ auf der Planungsskizze stand? „Santo Papa“. Um ihn herum 21 Kardinäle und Monsignori. Etwas entfernt vom Haupttisch sitzt die restliche Delegation, insgesamt sind es ca. 35 Personen. Nach dem Essen folgt für die Delegation eine ziemlich kurze Mittagspause, dann die Möglichkeit, sich noch mit Kaffee und am Kuchenbuffet für den noch langen, anstrengenden weiteren Verlauf des Tages zu stärken.

 

Nachdem alle um 15.35 Uhr das Hotel verlassen haben, kann ich mich auch gegen 16.00 Uhr auf den Weg zum Olympiastadion machen, ziemlich knapp, aber zu meiner Verwunderung sind die Bahnen noch voll von Menschen, die genauso spät dran sind, aber das selbe Ziel haben – eine schöne gemeinschaftliche Stimmung schon in der U-Bahn. Auch vor dem Olympiastadion stehen noch viele, Einlass bis 17.00 Uhr hieß es wohl als Vorsichtsmaßnahme. Nach einiger Zeit des Wartens kann ich meine Familie im Stadion treffen, jetzt erst einmal Luft holen, alles hat geklappt. In der Nähe von unserem Block „Q“ kommen die Dominicus-Minis vorbei. Wir winken uns zu, wie nett! Und das in diesen Massen von Menschen.

 

Vom Erlebnis, die Heilige Messe mit dem Heiligen Vater und den vielen begeisterten, glaubensfrohen Menschen, haben ja viele „Dominicaner“ schon im Oktober-Gemeindebrief berichtet. Ja,  – toll, Mut-machend, freudig, wunderbar, dabei gewesen zu sein. Nicht nur der Hl. Vater, auch unser neuer Erzbischof findet treffende Worte. Es ist schön, Christ, Christ in Berlin zu sein!

 

Auf der Leinwand sehe ich mehrere Male Sebastian Aehlig im Chor mitsingen, lustig! Außerdem fällt mir auf den Bildern der „Promis“ auf der Leinwand auf, dass unsere Frau Bundespräsidentin offensichlich mit Leib und Seele dabei ist, mitsingt....schön.

Nach der Messe gelingt es uns sogar, meine Eltern zu treffen, die an anderer Stelle im Stadion waren – unglaublich, was trotz der Zigtausenden von Menschen möglich ist. Spätes Heimkommen, eine kurze Nacht.

 

Freitag, 23. September 2011. Ich bringe in Erfahrung, wann für mich die früheste BVG-Verbindung in die Stadt ist: Abfahrt um 4.53 Uhr!! Ich muss so früh im Hotel sein, da für 6.30 Uhr eine Hl. Messe in der Akademiekirche „Thomas von Aquin“ gleich neben der Hotelhalle angesetzt ist. Also, alle sind wieder früh auf den Beinen, Ansprechpartner für alle Eventualitäten müssen wieder parat sein, so auch ich. Viele aus der Delegation wecke ich telefonisch, die Stimmen am anderen Ende klingen zum Teil noch müde, aber freundlich. Während der Hl. Messe habe ich zu tun, denn mit dem „Commandatore“ der italienischen Gendarmerie organisiere ich das Einsammeln des Gepäcks. Er spricht kein Wort deutsch und ist dankbar, mit mir italienisch reden zu können. Kurz vor dem Schlusslied des Gottesdienstes bin ich wieder in Rezeptionsnähe, ich lausche dem „Salve Regina“ der Kardinäle und Bischöfe, ein schöner, würdiger Gesang.

 

Es folgt das Frühstück für die Delegation. Später helfe ich noch hier und dort. Ich spreche u. a. mit Kardinal Brandmüller und unterhalte mich mit ihm über meine Namenspatronin, mein Namensschild gibt dazu den Anlass. Um 8.30 Uhr verläßt die Delegation das Hotelareal.

 

Ein Anruf, einem Monsignore fehlt seine Brille....sie findet sich zwischen den Messgewändern, die auf einem langen Tisch zwischen der Kirche und der Sakristei liegen. Die Nuntiatur holt die Brille ab. Langsam kehrt Ruhe ein, geschafft.Ja, es war wirklich ein unvergeßliches Erlebnis, den Hl. Vater und die Delegation so nah sehen und erleben zu dürfen, und ich bin sehr dankbar dafür!                                      Lioba v. Dewitz 

 

 
Hl. Vater.

 




Show details for Alle Dokumente in dieser RubrikAlle Dokumente in dieser Rubrik