Wort für den Tag in der Karwoche 2009
auf RBB 88,8 um 5.55; Kulturradio um6.45 und Antenne Brandenburg um 9.12

Tagebucheintrag Pfarrer Tippelt

Der Weg zum Osterfest ist mein eigenes Leben.

Karmontag, den 6. April

 

 

Wau Ferien, keine Schule.

Der gewohnte Alltag vieler Familien mit Schulkindern ändert sich.

Ehrlich gesagt bei den dazugehörenden Senioren ebenso.

Ein Ferienprogramm muss her. Themen sind genügend da:

Erholung, Entspannung, Spiel, Spass, Begegnung mit der Familie, Frühling Aufbruch ins Leben.

Und ein großes Fest steht vor der Tür. Wir dürfen das Leben feiern.

Im Frühling spüren wir den Aufbruch, den Neubeginn: Ostern.

 

In meinem Tagebuch finde ich den Satz:

Mein eigenes Leben ist der Weg zum Osterfest.

 

Das Leben das Ostern gefeiert wird, ist das Leben hinter dem Leben – das Leben nach dem Tod. Es ist allen Menschen gegeben.

Ob wir es wissen oder nicht, ob Sie es glauben oder nicht.

Es ist gegenwärtig schon jetzt und wirkt in unser erfahrbares Leben hinein.

Diese Ewigkeit ist herrlich, voller Liebe und Geborgenheit, voller Erkenntnis

und es betrifft mich ganz persönlich unmittelbar:

Mich so wie ich bin, wie ich denke, wie ich lebe.

 

Eine Ahnung dieser Ewigkeit erfahre ich,

wenn ich die Liebe in meinem Leben spüre,

ihre Sehnsucht nach Annahme und Geborgenheit,

nach Verständnis und Vertrauen.

Wie wunderbar es, wenn es gelingt unseren Kindern das zu vermitteln:

Du bist nicht allein. Du bist geliebt. Du bist geborgen

und aufgehoben in meinem Herzen, in der Liebe, die ich schenken kann

und noch viel mehr in der Liebe Gottes,

die uns das Leben schenkt und uns trägt und hält.

Das erfahrbar zu machen ist mehr als ein Ferienprogramm.

Es ist der Weg ins Leben, der Weg zum Osterfest.

Gehen Sie heute diesen Weg.

 

Gott des Lebens, segne diesen Tag als einen Schritt auf das Osterfest,

auf mein Leben, das nicht verloren geht, das gehalten ist in Deiner Liebe.

Segne diesen Tag und schenke Begegnungen, die mir davon erzählen.

 

Ich wünsche ihnen einen Tag voller Liebe und Glück als einen Schritt zum kommenden Osterfest.

Kardienstag, den 7. April

 

In meinem Tagebuch findet sich der Satz:

Öl, das ist Energie (nicht nur für die Industrie, sondern)

des Lebens,(ja sogar)

der Liebe und des Glaubens.

 

 

Öl das ist Energie, das ist der Dreh -und Angelpunkt der industrialisierten Welt, das schwarze Gold.

Öl ist auch Schönheit, Schutz, Wohlgefühl, Geschmeidigkeit und Heilung.

Am heutigen Vormittag wird Kardinal Georg Sterzinski in der St. Hedwigskathedale zu Berlin in einem festlichen Gottesdienst die Öle weihen, die bei der Spendung der Taufe, der Firmung, der Priesterweihe und der Krankensalbung bis zum nächsten Jahr Ostern im ganzen Land verwendet werden.

 

Das neue Leben wird in der Taufe dem Schutz Gottes dankbar anvertraut.

Im Zeichen der Firmung wird das geweihte Öl zur Erfahrung von Gottes Geist und Stärkung.

In der Weihe schenkt sich ein Mensch ganz Gott.

In den schweren Grenzsituationen von Krankheit und Tod können wir in der Krankensalbung die Nähe Gottes als tröstende und stärkende Begleitung spüren.

 

In meinem Tagebuch findet sich der Satz:

Öl, das ist Energie (nicht nur für die Industrie, sondern)

des Lebens,(ja sogar)

der Liebe und des Glaubens.

 

Das Öl wird zum Zeichen der Liebe Gottes.

Seine Liebe erreicht das Herz und dabei berührt ER die Seele des Menschen.

So öffnet sich unser Leben in eine Tiefe hinein, die selbst den Tod überwindet und in Gott geborgen ist.

Seine Kraft und Stärke, seine Zärtlichkeit und Heilung werden für uns Menschen spürbar.

Im kommenden Osterfest feiern wir diesen Lebenszusammenhang.

Gott begleitet und liebt uns. Er lässt niemanden ins Nichts laufen.

Wir dürfen in IHM leben

 

Nehmen Sie heute die heilvolle, stärkende, beglückende Nähe Gottes wahr.

Öffnen Sie ihr Herz dieser uns umhüllenden Wirklichkeit der Liebe Gottes.

Das Leben ist uns geschenkt. In seiner Tiefe sind Kräfte verborgen, die uns heilen.

 

Gott des Heils, schenke deine liebevolle Nähe den Menschen, denen ich begegne. Lass uns deine heilvolle Berührung spüren

und die Liebe schenken, die das Leben heilt.

 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie merken,

wie heilsam sie heute begleitet und behütet sind.

Karmittwoch, den 8. April

 

In meinem Tagebuch finde ich aus der Zeit der ehemaligen DDR den Satz:

In einer Nacht hast du mir so viele Tränen gebracht,

du Land der ahnungslos Gefangenen

aus Sehnsucht nach Freiheit,,,

 

 

Die Woche, die vom Palmsonntag zum Osterfest führt bezeichnen wir als Karwoche. „kara“ bedeutet aus dem althochdeutschen kommend soviel wie Sorge oder Kummer.

Die Christenheit geht dem Leiden und Sterben Jesu nach.

Es ist ein Weg in die Solidarität mit den Entrechteten,

mit den Opfern ungerechter Gewalt, den Leidenden, den Verzweifelten,

den Alleingelassenen, den Sterbenden.

 

In meinem Tagebuch finde ich aus der Zeit der ehemaligen DDR den Satz:

In einer Nacht hast du mir so viele Tränen gebracht,

du Land der ahnungslos Gefangenen

aus Sehnsucht nach Freiheit …

 

Unzählige Tränen werden geweint aus Verzweiflung, Angst und Bedrängnis.

Sie können nur gestillt werden, wenn es gelingt diese Dunkelheiten zu überwinden.

Die tiefste Dunkelheit unseres Lebens ist der Tod.

Den Sieg über den Tod feiert die Christenheit im Osterfest.

Dabei führt uns der Lebensweg Jesu durch den Tod in die Auferstehung, ins vollendete Leben.

Die kommenden Tage zeichnen diesen Weg

aus der tiefen Depression des sicheren Todes

in die Freude der wartenden Auferstehung ins Leben der Vollendung.

Diese Bewegung vom Dunkel ins Licht, vom Tod zum Leben

vollzieht sich in der Feier der Heiligen Woche.

Sie ist das Muster für das eigene Leben.

 

Sie dürfen wissen in aller Klage des Alltags, in allen Tränen des Lebens,

selbst in der existentiellen Not des Todes sind wir Menschen nicht alleingelassen.

Die Solidarität ist die Lösung. Die Erlösung Jesu begleiten uns.

 

Guter Gott begleite uns diesen Tag.

Gib uns das Licht deiner Gegenwart.

Schenke uns die Hoffnung die die Dunkelheiten,

die uns begegnen, besiegt.

 

Lassen wir Sie sich nicht gefangen nehmen von den Dunkelheiten

und Ängsten des Lebens,

sondern gehen Sie Ihrer Sehnsucht nach.

Sie führt ins Leben und in diesen Tag.

In meiner Bibel lese ich das Wort Jesu:

Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.

 

Gründonnerstag, den 9. April

 

 

Heute ist Gründonnerstag. Das „Grün“ in Gründonnerstag kommt aus dem althochdeutschen Wort „greinen“ und bedeutet soviel wie „weinen“ und weist so auf den inneren Sinn dieses Tages. Der Tag des Weinens.

 

Nach langer Zeit sitzt die Familie an einem Tisch vereint.

Das Begräbnis von Oma hat uns versammelt. Es wirkt wie ein Wunder.

Alle sind gekommen: die Kinder, die Eltern, selbst die Exangehörigen.

Wir essen. In den Gesprächen und Gesichtern spiegeln sich unsere Lebensgeschichten. Oma hat uns alle zusammengebracht.

Sie scheint dabei zu sein und wir sprechen uns aus.

Versöhnung liegt in der Luft.

 

Mir kommt das Wort Jesu in den Sinn:

Liebt einander wie ich Euch geliebt habe.

 

Jesus sitzt mit seinen engsten Freunden zu Tisch. Alle essen in feierlicher Stimmung. Für die Juden ist Paschafest. Sie erinnern sich beim gemeinsamen Mahl an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei.

Es wird deutlich. Es ist das letzte Mal, das sie zusammen sind.

Die Umstände lassen keine andere Lösung zu.

Er wird auf grausame Weise getötet werden.

Die Worte und Gesten Jesu bekommen eine tiefe zukunftsweisende Bedeutung.

Er wäscht Ihnen die Füße – ein Reinigungsritual – und sagt:

 

Liebt einander wie ich Euch geliebt habe.

 

Jesus wird sterben und danach wird er sich seinen Freunden zu erkennen geben.

Ihnen wird klar. Er ging für uns in den Tod.

Er zeigt, was nach dem Tod kommt.

Leben in einer ganz neuen ungeahnten Qualität.

Die Liebe allein vermag in dieses Leben nach dem Leben

zu sprechen und zu schauen.

Die Sehnsucht nach Liebe erzählt uns davon.

 

Guter Gott schenke uns diese Liebe, die stärker ist als der Tod.

Sie wird zum Segen für alle, denen ich begegne.

 

Ich wünsche Ihnen einen Liebe-vollen Tag.

 

In Ps 22 lese ich:

Ich bin hingeschüttet wie Wasser, / gelöst haben sich all meine Glieder.
Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen.

Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, / die Zunge klebt mir am Gaumen,

du legst mich in den Staub des Todes.

 

Karsamstag, den 11. April

 

 

Der Karsamstag ist der Tag der Leere.

Das Leben ist leer geworden. Nichts ist mehr zu erwarten.

Alles ist ausgeschöpft, jedes Wort, jede Bewegung, jedes Gefühl. Erschöpfung.

Nichts ist mehr, was es noch gibt.

Eine unbeschreibliche Leere im Körper, im Herzen und in der Seele.

Eine solche Leer zu ertragen ist unerträglich.

Schnell suche ich mir Ablenkung. Ich gehe Einkaufen fahre Auto oder ich putze.

Andere verstecken sich, ziehen sich zurück, schließen zu, igeln sich ein.

 

Das Psalmenwort beschreibt diese Erfahrung:

Ich bin hingeschüttet wie Wasser, / gelöst haben sich all meine Glieder.
Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen.

Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, / die Zunge klebt mir am Gaumen,

du legst mich in den Staub des Todes.

 

Der Karsamstag greift diese Lebenswirklichkeit auf.

Der Tag setzt auf warten und hoffen.

Wir dürfen die Hoffung haben,

dass diese Leere nicht der Ausverkauf des Lebens ist,

sondern eine neue Chance.

Diese Leere wird gefüllt werden, ganz neu, ganz anders und völlig überraschend. Je tiefer diese Leere durchlebt wird,

desto größer ist die Sehnsucht nach Erlösung.

Die kommende Fülle wird darin spürbar.

Es ist ein Weg zum Osterfest, zum Fest des Lebens,

 

des Aufbruchs und der Erfüllung.

Die extremste Leere des Menschen ist der Tod.

Sie wird gefüllt mit Leben unmessbaren Ausmaßes.

 

Ich warte auf dieses Osterfest.

Die Christenheit feiert noch in dieser Nacht die Erfahrung,

dass das Leben nicht endet, sondern aufgehoben ist in einer nie endenden Liebe.

Gott schenkt uns Menschen die Vollendung.

Es ist die Erfüllung aller Sehnsucht,

die lichtvolle Gegenwart einer Liebe ohne Ende,

ein vollendetes Leben in einer Geborgenheit,

die tiefer ist als es je ein Herz zu hoffen vermag.




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