Die Allgäurunde - Männerwanderung 2008

Rund um Oberstdorf locken steil aufragende Felsen und liebliche Täler die Freunde der Berge, und so haben sich Anfang September diesen Jahres 10 wanderlustige Männer aus dem Familienkreis Blach/Goerigk nebst Pfarrer in den Allgäu aufgemacht.

Die Ersten und Härtesten reisten schon zur Wochenmitte an, die Nächsten dann zum Wochenende. Aber auch die Härtesten mussten den physikalischen Gesetzen von Zeit und Raum Tribut zollen und nutzten – natürlich nur unter großer Überwindung – eine mechanische Aufstiegshilfe (im Volksmund als Seilbahn bekannt). Auf diese Weise erklommen sie ihren ersten Gipfel – das weltbekannte Nebelhorn. Anschließend zeigten vier Berliner erst einmal zwei Kölnern, was Berliner Tempo ist, und schossen pfeilschnell zum Prinz-Luitpold-Haus, so dass sie den Kölnern mindestens ein Bier voraus waren.

Über die Kemptner Hütte, das Hohe Licht und den atemberaubenden Heilbronner Weg ging es dann weiter zur Rappenseehütte, die malerisch über einem spiegelnden Bergsee gelegen ist. Hier wurde jubelnd die „Nachhut“ begrüßt, die auf Schusters Rappen den Aufstieg aus dem Tal bewältigt hatte.

Männerwanderung1

Am Samstagmorgen gab es angeregte Diskussionen darüber, wer der lauteste Schnarcher war. Die Benutzer von Ohrenstöpseln standen im Verdacht, sie hätten sich vor dem eigenen Geräusch schützen wollen. Danach ging es bei schönstem spätsommerlichem Bergwetter auf die Talrunde, über Schrofenpass und Mindelheimer Hütte zur Fiderepasshütte. Hier kann sich der Gast überlegen, ob er seine Brotzeit in Deutschland oder lieber in Österreich verspeisen will. Denn die eine Hälfte der Terrasse liegt in Österreich, die andere Hälfte (und die Hütte) in Deutschland.

In der kommenden Nacht kamen wir uns besonders nahe: 7 Matratzen für 10 müde Bergsteiger – da wurde es trotz kühler Nachtluft bullig warm und kuschelig. So waren wir gerne bereit, am Sonntagmorgen früh aufzustehen. Und das, obwohl 8 Uhr sonst nicht zu unseren bevorzugten Gottesdienstzeiten gehört. Der Blick nach draußen ließ jedoch die Hoffnung auf eine schöne Bergmesse auf einer sonnigen Erhebung schnell verschwinden – Regen, Regen, Regen … Gut, dass wir mit Reinhard, dem erfahrenen Vermesser und Raumordner unterwegs waren. Mit kundigem Blick inspizierte er das Hüttengelände und entdeckte einen Unterstand, den wir sofort zur St. Dominicus-Kapelle umfunktionierten. Sie bot uns Raum für unsere Lieder, Texte und die eucharistische Gemeinschaft.

Danach blieben uns noch 1100 Höhenmeter und etliche Millimeter Niederschlag, um unsere Ausrüstung auf Regenfestigkeit zu testen, bis wir – im Tal angekommen – noch einmal die gute Oberallgäuer Küche genießen konnten.

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Zurück bleiben die Erinnerungen an die herrliche Bergwelt, die uns oft genug vergessen ließ, dass wenige Kilometer weiter die hoch technisierte Zivilisation beginnt, an Menschen, deren Lebensgrundlage viel stärker als unsere von den Unbilden des Wetters und Gebirges bedroht ist, und an einen Gottesdienst, der in karger Umgebung einen feierlichen Schlusspunkt setzte.

   Ulrich Herbert

 

 




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