Liebe Gemeinde

Die „Stuppacher Madonna“ von Matthias Grünewald hat es mir angetan. Die Ähnlichkeit zum Isenheimer Altar, den er 1516-19 schuf, ist deutlich zu spüren.

Da lässt dieser geniale Künstler Maria auf der steinernen Einfassung eines ausgetrockneten Brunnens sitzen und holt so ungewollt den Zuschauer, der auf der anderen, ihr gegenüberliegenden Seite sitzt, mit in diesen Brunnen.

Maria hält liebevoll das Jesuskind in ihrer mütterlichen rechten Hand. Die linke Hand ist mit dem Brautring geschmückt und balanciert den Granatapfel Jesus zum Spielen in seine Hände. So wird das Spiel zum Zeichen der Fruchtbarkeit, der Lebensfülle und der Macht. Die Hautfarbe ist unnatürlich weiß, so weiß wie der Auferstandene auf der Isenheimer Altartafel. Maria und Jesus sind als verklärte Menschen im österlichen Erlösungsgeschehen dargestellt. Das im ersten Moment als Weihnachtsbild interpretierte Geschehen, zeigt sich als ein Bild, dass die ganze Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen beschreiben möchte. Die erkennbaren Details lassen sich in diesem Horizont deuten: Der in der Ewigkeit thronende Gott Vater sendet aus der Wolke - das alttestamentliche Symbol für die Anwesenheit Gottes - zur Rettung der Welt nicht wie in den dunklen Vorzeiten die Sinnflut, sondern seinen Hauch, der den Neuen Bund begründet. Der Regenbogen über Jesus und Maria verbindet den Paradiesgarten mit der Kirche. Der durch einen Lattenzaun verschlossene Garten hat ein Pforte, die als Kreuz vor fünf Honigkörben, den Zugang zum Garten darstellt. Das Kreuz als Erlösungszeichen und die fünf Wunden Christi als Quelle des Heils führen zu dem mit dem Granatapfel spielenden Jesusknaben. Er hat die Macht in der Mitte des Bildes spielend in den Händen und erlöst die Menschheit in die österliche Gestalt, die Maria ergriffen hat. Ihre Jungfräulichkeit wird im unsichtbaren Schleier um ihren Schoß, der Christus geboren hat und im Lilienstrauß, der die Reinheit anzeigt, sichtbar. Der Krug und die Schale sind Zeichen des Empfangens und Gebens. Der in der Schale liegende kostbare Rosenkranz meditiert die Geheimnisse des Lebens Jesu als Heilsereignisse, die wir Menschen empfangen wie Leben spendendes Wasser. So findet die vertrocknete Wurzel Jesse Lebenskraft, grünt und bringt reiche Frucht. Die Kirchgänger im Hintergrund gehen, Maria und Jesus den Rücken kehrend, in die Kirche. Das ist eine starke, unmissverständliche Kritik an der Kirche seiner Zeit. Sie hat sich vom Heilsgeheimnis entfernt.

Möge uns dieses Weihnachtsfest dazu fähig machen, Gott in unserer Welt hinein Mensch werden zu lassen. Er möge in unseren Wohnungen ein zuhause finden und durch uns in der Welt konkrete Hände und Füße bekommen, damit das Heil Gottes unser Leben erreicht.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen, Ihrer Familie und allen Menschen, denen Sie verbunden sind, den Segen der Menschwerdung im Neuen Jahr 2006 ganz herzlich

Ihr Pfarrer Bertram Tippelt

Gott
- verborgen in der dunklen Wolke
und die himmlischen Heerscharen. Die verschlossene Paradiespforte ist als Kreuz gestaltet. Durch das Kreuz sind die Sünde und der Tod besiegt. Der Regenbogen wird zum Bundeszeichen und spannt sich vom Alten zum Neuen Bund, vom Paradiesgarten zur Kirche. Maria wird im Ostkirchlichen Lobhymnus „honig­süße Wabe für die göttliche Imme“ gepriesen. Die fünf Bienenkörbe nehmen dieses Bild auf und deuten die fünf Wunden der Erlösung Christi an. Die mütterliche Hand Marias hält den Knaben liebevoll, die linke Hand mit Ring als Braut Christi hält Jesus den Granatapfel hin. Das Symbol der Machtfülle bildet den Mittelpunkt des Bildes. Der Schoß Marias wird durch den unsichtbaren Schleier jungfräulich. Die Haare lassen den Himmel in den Brunnen der Erde zur vertrockneten Wurzel fließen. Sie grünt. Der Feigenbaum trägt reiche Frucht. Die Kirchgänger wenden sich von Christus ab - eine harte Kirchenkritik. Die Hautfarbe zeigt die verklärte österliche Gestalt und spiegelt sich in den Lilien. Schale und Krug weisen auf empfangen und geben als Grundform der Lebensgestalt Marias. Der Rosenkranz aus Edelsteinen meditiert in dieser Lebenshaltung des Empf angens die Geheimnisse Christi. Die königliche Gewandung und die Ornamentik schmücken den entblößten Knaben, der sich ganz und gar schenkt und darin königlich bekleidet ist.




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