Liebe Gemeinde!

Der Aschermittwoch lädt zur Besinnung ein. Das Aschenkreuz weist auf die Vergänglichkeit allen irdischen Seins hin und gibt in der Liturgie jeder und jedem, der so gesinnt in die österliche Bußzeit eintritt, die Erfahrung in der Liebe Gottes geborgen zu sein.

Eine Zeit der inneren Erneuerung liegt vor uns. Es ist der Versuch, alles Unwesentliche wegzulassen und Wesentliches zu spüren.

Der Alltag nimmt mich oft so gefangen, dass ich mich selbst gar nicht mehr wahrnehme. Die Reduktion auf das Wesentliche ist eine Askese und kann durch einen äußeren Verzicht verstärkt werden.

Diese Hygiene der Seele benötigt Zeit. Es ist eine Zeit vor Gott, die sich mit Sinn füllt. Vor meinem inneren Auge entfaltet sich die Welt, in der ich lebe. Mein Blick weitet sich auf Zusammenhänge in meiner Welt. Die Sensibilität für das Dasein wächst. Die Wirkungen meines Handelns entschlüsseln sich und werden angefragt. Vor Gott getragen, bekommt alles ein anderes Gesicht, eine neue Sicht. Alles wird versöhnlicher, liebevoller, gütiger, barmherziger. Der Weg der Erneuerung bekommt eine Zielperspektive: Neuanfang, Auferstehung, Ostern.

Misereor Hungertuch 2004 kleinDas diesjährige Miseror-Hungertuch – von sieben Lateinamerikanerinnen, die wegen Drogenkurierdiensten im Frankfurter Frauengefängnis bis zu vier Jahren inhaftiert sind, gestaltet - ist ein Angebot, eine Weghilfe zum Osterfest. Es wird uns durch die österliche Bußzeit in den Gottesdiensten begleiten.

 

Die Komposition des Bildes scheint zunächst ungewohnt. Es ist eine Art Computerbildschirm. Wir sehen kleine Bilder am Rand; Ikons, die viele Aspekte zum Thema Hunger darstellen. Große „angeklickte“ Fenster, die in das Thema Hunger und dessen Bekämpfung Einblick geben.

Ein leuchtendes Rot strahlt mir entgegen. Die Farbe, die in allen Kulturen und zu allen Zeiten die Liebe und das Leben symbolisiert.

Das farbenfrohe Bild scheint zunächst im Widerspruch zu stehen zu dem erschreckenden Zustand von weltweit
über 800 Millionen hungernden Menschen, auf die dieses Tuch aufmerksam machen möchte.

Jedoch sehe ich vor allem Menschen und Hände, die handeln und auch mich anregen möchten, aktiv zu werden, um zur Beseitigung des weltweiten Hungers beizutragen.

Dabei spüre ich neben dem äußeren Hunger, der Skandal genug ist, alles in Frage zu stellen, den Hunger nach Gerechtigkeit, nach Frieden und Liebe für alles Leben in der Welt.

Es ist ein Weg zum Osterfest, dem Hunger nachzugehen und im Tod das neue Leben zu finden.

Es ist der Weg, der Jesus zum Kreuz führt und dort allen zeigt, dass er die Liebe ist, die alles wandelt. Es ist die göttliche Kraft, die selbst den Tod
über­windet und Leben schafft.

Ich wünsche uns eine gute Weggemeinschaft

 

Ihr Pfarrer Bertram Tippelt

 




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