Liebe Gemeinde,

als Mittlerer in der Geschwisterfolge hatte ich des Öfteren die leidige Aufgabe, die noch nicht abgetragenen Sachen meines älteren Bruders als meine neuen Kleidungsstücke anzuerkennen. So kenne ich mich mit Gewändern aus, in die ich noch hineinwachsen musste, damit sie richtig passen.

Als der Kirchenvorstand mit Frau Mira Bergmüller über die neu entstehende Antoniusfigur ins Gespräch kam, fiel das „Gewand“ auf. Schnell war die Idee ins Wort gebracht, den Marienmonat mit diesem Kunstwerk inhaltlich zu füllen. Das Gewand Mariens - sie selbst wird zur Hülle der Menschwerdung Gottes - wird zum Bild für die Aufgabe des Menschen: Gott präsentiert seine Botschaft immer neu in den Menschen und in der Schöpfung als Wort Gottes. Sein Wort ruft alles ins Leben im Gewand der Schöpfung. Im Taufritus wird dem Neugetauften das Taufkleid übergeben. „Du hast Christus angezogen … Bewahre diese Würde für das ewige Leben.“ Er, Christus, ist mein neues Gewand. Mit ihm bin ich in der Welt und im Leben. Dieses Gewand schützt mich, es bekleidet mich, es schenkt mir wahre Schönheit und Geborgenheit. In ihm finde ich Wärme und Ruhe, Schutz, Ansehen, Würde, Versöhnung und Frieden. Maria hat in Jesus dies alles finden können. Dabei wurde ihr Leben nicht schmerz- und konfliktfrei, aber es entwickelte eine Perspektive, die erfüllt war und im tiefsten sinnvoll.

Mit dem „Gewand“ sind wir als Gemeindeglieder eingeladen, im Marienmonat Mai dieses mit unserem eigenen Leben  zu füllen. In der Hülle Mariens können wir entdecken, wie sie Christus zur Welt brachte. So können wir im Nachdenken mit Maria selbst spüren, wie Christus durch mich in meine Welt getragen werden kann. Bescheiden aber wirkungsvoll kann jede und jeder seine Lebensperspektiven mit Maria suchen und neu erkennen.

Es wird deutlich:“Kleider machen Leute“ ist nicht die Art Gottes. Die Kleider Gottes machen nicht Leute, sondern Er macht Menschen. Seine Kleider für uns sind die Herausforderungen, das Leben zu suchen und zu finden. Wofür und für wen bin ich in dieser Welt? Was hat Gott mit mir vor und welches Gewand ist das meinige?

Jugendliche machen sich mit großen Hoffnungen auf ihren Lebensweg. Sie suchen oft jahrelang „ihr Gewand“. Helfen wir einander die Lebensgewänder zu finden, einander anzulegen und zu tragen. Maria ist uns darin ein wunderschönes Vorbild. Ihre Kleider haben sich durch ihre Lebens– und Liebesgeschichte in leuchtende Gewänder verwandelt. Sie hat Christus angezogen und in die Welt getragen.

Werde diesem Auftrag wieder neu gerecht. Finde das Kleid des Lebens und mache es zum Gewand. Zieh Christus an und dein Leben beginnt neu zu leuchten.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie den Schutz und die Geborgenheit in Gott. Mögen wir mit Maria Christus annehmen und Ihn in unsere Welt tragen. So grüsse ich Sie herzlich

Ihr Pfarrer Bertram Tippelt




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