„Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf..“

Rundfunkansprache 1. Advent 2003

Advent. Es werden die Kerzen entzündet. Jede Woche eine mehr. Wenn Sie dies im dunklen Zimmer tun, können Sie die adventliche Stimmung besonders deutlich spüren. Die Finsternis wird auf eigentümliche Weise entängstigt. Im Kerzenlicht schwindet die Angst und Geborgenheit wächst.

Advent - als die Ankunft Gottes bei den Menschen hat sehr verschiedene Aspekte: Das Kommen Gottes als Ende der Zeit, das Kommen Jesu als Zeit der Erlösung, das Warten und Wachen, das Sehnen und Hoffen auf Heil und Erlösung …

Die adventlichen Texte der Heiligen Schrift lassen kosmische Katastrophen entstehen, die die Ankunft Gottes anzeigen und die Angst der Menschen soll groß sein. Eine unangenehme Vorstellung für Advent.

Aber was, wenn Gott wirklich kommt? Was wird sein, wenn seine Herrlichkeit mir wirklich sichtbar wird? Was geschieht, wenn seine Macht mir in der Komplexität erkennbar wird? Was ist, wenn ich die absolute Liebe Gottes in mich aufnehmen darf und spüre welch lebensbegründende Kraft in ihr steckt?

Verblasst nicht alles andere dagegen? Das, was eben noch herrlich und genial war, wird dann klein und lächerlich. Das, was eben noch Licht war, wird Finsternis. Die Sonne ist angesichts der Lichtfülle Gottes nur noch dunkel und unsere menschliche Liebe ist gegenüber der göttlichen Liebe der mühevolle Versuch nicht zu hassen.

Das menschliche Wertesystem wird in einen neuen, ewigen Horizont gestellt und dieser Horizont Gottes entfaltet seine Wirkkraft durch die Erkenntnis seiner Existenz.

So gesehen, wird es sich nicht vermeiden lassen, beim Kommen Gottes mit Katastrophen zu rechnen. Nicht aus zerstörerischer Absicht, sondern aus dem Realitätssinn für die Wirklichkeit, die sich hinter dem Wort „Advent“ verbirgt.

Das Kommen Gottes verändert unsere Lebensperspektive über den Tod hinaus. Wenn dazu die Erkenntnis wächst, dass die Zuwendung Gottes mir persönlich gilt und seine Liebe mich berührt, dann öffnet dieser Schlüssel unseren wahren Schatz des Lebens. Die Dunkelheit des Todes wird durch das Licht der Liebe Gottes in die Ewigkeit aufgelöst und verändert so die Lebensperspektive jedes Menschen.

Ja, so kann selbst die Dunkelheit des Todes keine wirkliche Angst mehr verbreiten. So höre ich die Worte des Evangelisten Lukas:

„Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter: denn eure Erlösung ist nahe.“

Ob es gelingen kann, diese Liebe wie einen Schatz zu suchen und im Kind von Bethlehem zu finden? Ob es gelingen kann, in den Dunkelheiten und Nöten unserer Tage das Licht zu suchen, das von der Ewigkeit erzählt und der Hoffnung in der Liebe Gottes geborgen zu sein? Ob es mir möglich wird im Licht der adventlichen Kerzen dieses Geheimnis zu meditieren?

So wünsche ich Ihnen und Ihre Familie den Segen des kommenden Gottes in diesen adventlichen Tagen und Wochen.

Pfarrer Bertram Tippelt.

 




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