Liebe Gemeinde,

Gott hat uns längst einen Engel gesandt, uns durch das Leben zu führen, … so wird uns ein Lied in der
Adventlicht
Liturgie der Familiengottesdienste der Adventsonntage begleiten. Wenn das Lied ein Ohrwurm wird oder ein Engel meinen Lebensalltag begleitet und wenn der Bote zum Gebet wird, dann ist die Ankunft des Herrn nicht mehr weit und wirklich Advent.

Die Tage des Advents als Vorbereitungszeit für Leib und Seele zu nutzen, dass Gott Mensch werden kann in meinem Lebensraum und meinen Lebensbezügen, werden in diesem Jahr eine besondere Herausforderung. Es sind nur drei Wochen Zeit. Der vierte Advent ist am Abend schon Heiligabend. Der Verkaufsrummel brummt schon vor Christkönig auf den diversen Weihnachtsmärkten. Die Dekorationen der Schaufenster suggerieren ein ständiges Weihnachtsfest. Der Advent in seiner Bedeutung tritt aus dem Bewusstsein und wird nicht als Zeit der Besinnung und Vorbereitung für das noch kommende Fest erkannt. Wir feiern, wenn wir uns nicht wehren, ob wir wollen oder nicht, mitten im Advent Heilige Nacht. Die landauf landab stattfindenden Weihnachtsfeiern verstärken das. Und wie soll ich nun den Advent gestalten in dieser kommerzialisierten Weihnachtszeit? Nehmen wir die Impulse der Heiligen Schrift, die uns an den Sonntagen die Liturgie schenkt. Die Botschaften werde ich hören und in mein Leben hineindeuten. Ich bin eingeladen, den Lichtstrahlen der Engel nachzugehen, die uns zum Altar zu Christus führen. Die Boten haben Botschaften. Der Posaunenengel weckt mich und ruft zur Wachsamkeit. Johannes ruft zur Umkehr. Die Freude auf die kommende Menschwerdung wirft einen Lichtstrahl auf mein ganzes Leben. Maria wird vom werdenden Kind bewegt und begegnet Elisabeth.

Gott möchte jedem Menschen das Licht seiner Liebe schenken. Öffne ich ihm meine Dunkelheiten? Wird es gelingen, ihn in meine Dunkelheiten einzulassen? Kann ich mich auf seine Gegenwart in meinem Leben neu einstellen? Lasse ich Gott in mir Mensch werden? Hat er eine Chance?

In der Kirchenraumgestaltung des Advents werden die aus Fäden sichtbar gemachten Lichtstrahlen ungewöhnlich erscheinen. Auf ihnen gelangen die Botschaft der Wachsamkeit, der Umkehr, der Freude und schließlich die Menschwerdung Gottes durch Maria selbst auf unsere Erde, auf unsere Straßen, in unser Leben. Sie treffen auf den Altar und bilden so den Brennpunkt der Menschwerdung Gottes. „Das ist mein Leib… das ist mein Blut“ wird dort gesprochen und im Sakrament sichtbar. So werden wir selbst von Christus berührt, bewegt und geleitet. So wird Advent, der uns in das Geheimnis der Heiligen Nacht führt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrer ganzen Familie eine gesegnete Zeit des Advents.

Herzlich Ihr Pfarrer Bertram Tippelt

Schöpfung
Liebe Gemeinde,

der November führt uns auf die Friedhöfe und in die Auseinandersetzung mit dem Ende unseres Lebens, mit dem Tod. Unangenehm. Oft verdrängen wir diese Wirklichkeit. Dennoch holt sie uns ein. Da erleidet ein naher Verwandter eine unheilbare Krankheit. Da bleibt nach einem Verkehrsunfall ein lebenslanges Leiden zurück. Da wird Krebs mit Todesfolge diagnostiziert. Da stirbt ein lieber Mensch viel zu früh. Bei jedem Schicksalsschlag stelle ich die gleichen Fragen: Warum gerade ich? Was habe ich getan, dass mir so etwas widerfährt? Warum? So können wir an Gott zweifeln und verzweifeln. Wenn da nicht dieses Kreuz wäre. Es ist das Zeichen aller Christen. Bei vielen hängt es an der Kette am Hals, ohne die Tragweite, die in diesem Zeichen steckt, wahrgenommen zu haben. Es zeigt an, dass Gott meine Fragen nicht beantwortet, sondern dass er handelt. Er kommt in Jesus in das Leid, in das Verurteiltwerden, in die Ungerechtigkeit, in die Schmach, in das Sterben, in den Tod. Er macht dies aus Liebe, aus Zuneigung auch aus Solidarität zu mir, dem Menschen mit den vielen Fragen. Er schaut mich auf Augenhöhe an und berührt mich. Er begegnet meinem konkreten mühsamen Alltag heute und geht mit mir bis in den Tod. Warum? Christus möchte mir sagen, dass mein Leben im Tod nicht tot ist. Seit der Schöpfung meiner selbst ist das in mir angelegt. Es gehört meine Ewigkeit zu meinem Leben dazu. Mein Leben ist nicht zwischen Geburt und Tod eingeengt, sondern es ist in die Ewigkeit hinein geöffnet und von Gott bis dahinein geliebt.

Diese Gedanken erscheinen sehr theologisch und damit theoretisch. Diese Wirklichkeit hat aber ganz konkrete Auswirkungen auf die Beurteilung der mich bedrängenden Fragen. Mein Leben ist von Gott geliebt und das ewige Leben gehört heute schon dazu. Der Himmel kann schon jetzt Platz nehmen inmitten der Welt. In der Liebe wird dies spürbar, in der Hoffnung drückt es sich aus und im Glauben vollzieht sich diese großartige Wirklichkeit schon jetzt. Seit der Schöpfung, seit unserer Menschwerdung ist für jeden von uns die Ewigkeit begründet. Damit ist der Tod überwunden und die Gemeinschaft der Heiligen zu einer großen Gemeinschaft mit Persönlichkeitscharakter geworden. Ich darf meine lieben Toten in dieser meiner Zukunft angekommen wissen. Meine Zeitlichkeit und Räumlichkeit hindern mich dies zu sehen und wahrzunehmen als eine der großen österlichen Freuden. Die Toten leben bei Gott. Der Tod ist Tor zur Ewigkeit.

Wenn wir im November die Gräber besuchen, sollten wir es mit dieser österlichen Hoffnung und Gewissheit tun. Das entzündete Licht ist ein kleines Zeichen der Wirklichkeit, die Gott seit der Schöpfung für einen jeden Menschen geöffnet hat. Seit Christus hat er dies mit seiner Liebe gefüllt. Spüren sie die? Lassen Sie sich vom Auferstandenen berühren. Sie werden den Hauch des Himmels als Kraft des Lebens spüren, die den Tod besiegt hat. So wünsche ich Ihnen die Erfahrung des Ewigen im Licht in diesen Tagen der Dunkelheit.

Herzlich Ihr Pfarrer Bertram Tippelt




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