Liebe Gemeinde                                                                              zum Adventskalender

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Advent ist Advent und Weihnachten ist Weihnachten. Es hört sich ganz einfach und verständlich an, ist es aber nicht. In diesen Tagen wird ein Weihnachtsbaum nach dem anderen aufgestellt. Die Märkte der Stadt überschlagen sich seit Wochen mit der weihnachtlichen Dekoration. Von überallher klingen Weihnachtslieder, die neben vielem anderen auch das Geheimnis der Heiligen Nacht besingen. Wenn ich mit offenen Augen durch die Stadt gehe, dann ist Advent Weihnachten geworden und keiner merkt es. Der Versuch den „Weihnachtsmarkt“ „Adventsmarkt“ zu nennen, ist an der Alltagswirklichkeit gescheitet. Die „Adventsbude“ St. Dominicus auf dem diesjährigen Weihnachtsmarkt am Lipschitz­platz erscheit wie ein Prophet in der Wüste. Das hat dann doch etwas Adventliches. So kommt mir die Frage: Wer sollte in unserer Stadt den Menschen erklären, was „Advent“ und was „Weihnachten“ ist? Die Evangelische Kirche in Deutschland macht mit einer Initiative aufmerksam: www.advent-ist-im-dezem­ber.de. Die Bedeutung von Zeit und Rhythmus, von Vorbereitung, Fest und Feier werden täglich im Adventskalender bewusst gemacht.

Wie kann ich die Ankunft Gottes in meinem Leben vorbereiten? Wie ist es möglich, mich dem Trend der geschäftigen Zeit zu entziehen und die Stille zu suchen, die den Raum für die Ankunft Gottes bereitet? Die Texte der Liturgie und der Heiligen Schrift geben mir eine Hilfe. „Tau aus Himmelshöhn …“ Das wunderschöne Bild vom Tau zeigt die Ruhe und den Atem, der in der Ankunftszeit liegt. Ob meine Seele die Ruhe findet, dass sich Tau bilden kann, der meine ausgetrocknete Seele mit Leben füllt? Ob die Sehnsucht des kommenden Herrn mich ergreift? Ob es möglich ist, das Licht in der Finsternis zu entdecken? Wird es gelingen, den Gott, der Liebe, der Wahrheit und des Leben ankommen zu lassen?

Advent – Ankunft Gottes geschieht mitten in unserer Stadt, in unserem Leben. Machen wir Ihm Platz. Legen wir alles Überflüssige aus den Händen und aus den Herzen. Nur wenn wir leer und offen sind, kann Er ankommen und uns füllen mit seinem Leben und seiner Liebe.

Diese Vorbereitung drückt sich in der Gestaltung des Kirchenraumes und in der Feier der Liturgie aus. Der einzige Schmuck in der Kirche ist der Adventskranz. Er zeigt die Hoffnung auf sein Kommen im Grün der Zweige, im Licht der Kerzen und im Kreis der Ewigkeit an. Der schmucklose Altar drückt die Sehnsucht nach dem Kommen des Herrn aus. In dieser Erwartung lebt auch Maria. Die adventlich entleerte Kirche wird die Fülle der Heiligen Nacht umso deutlicher hervortreten lassen.

Vielleicht gelingt es unserer Gemeinde im bewussten liturgischen Handeln diese Vorbereitung auszudrücken. Also: keine Blumen, kein Schmuck. Die Leere des Raumes und des Altars zeigen die Offenheit und die Bereitschaft des Menschen für das Kommen und Wirken Gottes. Willkommen Herr.

Einen gesegneten Advent wünsche ich Ihnen und Ihrer ganzen Familie herzlich

Ihr Pfarrer Bertram Tippelt




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