Liebe Gemeinde

Der Frühling ist mit der wunderschönen Blütenpracht zu Ende. Wir haben Ostern gefeiert und sind dem Geheimnis der Himmelfahrt nachgegangen. Uns bleibt der Geist Gottes, um das Geheimnis unserer selbst und des Lebens wahrzunehmen und so Antworten auf unsere ganz persönlichen Lebensfragen zu suchen. Feste, Rituale und Traditionen helfen dabei.
Monstranzkreuz klein

In diesen Tagen tragen wir nach alter Tradition den Leib des Herrn in der Monstranz in unsere Welt. Er soll zum Segen für alle Menschen im Osten und Westen, im Norden und Süden werden.

Die einen wollen eine Prozession mit Baldachin, Bläsern und vier Altären wie früher zu Hause. Andere fühlen sich peinlich berührt, ob dieser altertümlich anmutenden Volksfrömmigkeit.

Der Versuch unseren Glauben auszudrücken gelingt nicht mehr wie früher in Kindertagen. Schuld daran sind, sagen die Einen, immer die Anderen.

Wir werden den Gottesdienst unter freiem Himmel feiern. Mit vielen fleißigen Händen wird der Schulhof zur Kirche umgebaut. Lebenspause. Dass Gott uns alltäglich begleitet und verborgen gegenwärtig ist, wird zeichenhaft sichtbar. Viele werden ihr Musikinstrument mitbringen und zur Ehre Gottes fröhlich unter der verständnisvollen Leitung von Herrn Polenz musizieren. Die Kinder werden tanzen und singen. Es wird der Segen, für die vielen Menschen, die in den Hochhäusern wohnen, leben, leiden, lieben, arbeiten, suchen und finden, erbeten. Wir feiern als Gemeinde ein Fest bei dem sich alle einbringen können.

Die Kirche bekommt in der lebendigen Gemeinde ein Gesicht. Sie ist der Leib Christi – ein Zeichen der Nähe Gottes. So tragen wir nicht nur das Brot des Lebens durch unsere Gemeinde, wir werden dabei selbst zum Zeichen. Wir geben Christus eine Gestalt mitten in unserer Welt. In unserem Beten und Singen, Danken und Loben machen wir aufmerksam auf die verborgene Gegenwart Gottes, die alles Leben ermöglicht.

Es wäre schön, wenn es gelingt dieses Zeichen in die eigene Lebenswelt mitzunehmen, den Alltag von der Dankbarkeit Gott gegenüber prägen zu lassen, um so friedvoller, versöhnter und liebevoller miteinander leben zu können.

Ich weiß, dieses Gesicht Christi ist nicht vollkommen. Es hat auch die Züge des Leidenden, des Armen, des Ergebnislosen, des Ausgestoßenen. Es wird darauf ankommen, mitten in der Unvollkommenheit authentisch zu sein. Wir sind unterwegs. Christus dem Brot des Lebens gehen wir nach. Wir sind auf der Suche nach den Spuren des Himmels mitten auf unserer Erde. Das eucharistische Brot ist uns dabei Nahrung und Ziel zugleich. So hat die Fronleichnamsprozession etwas Symbolhaftes für den Glaubensvollzug jedes einzelnen.

Ich frage mich. Wie steht es um meinen Glauben? Ist Jesus im Brot des Lebens, Brot meines Lebens? Ist die Eucharistie die Begegnung meines Lebens mit der Wirklichkeit der Liebe Gottes? Ist sie mein realer, präsenter und gegenwärtiger Lebensvollzug? Diesen eucharistischen (dankbaren) Geist wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie ganz herzlich

Ihr Pfarrer Bertram Tippelt




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