Liebe Gemeinde,

05_10 Titel Gemeindebrief
die herrlichen Spätsommertage dieses Jahres laden zum Träumen ein. Die noch wärmende Sonne, der Geruch der Erntegaben, die gemähten Felder, der frische Wind, all das hebt die Seele in den Himmel und ich spüre wie der Schöpfer seine zarten Spuren hinterlässt. Gott malt die Sehnsucht in meine Seele: die Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit, nach Verständnis und Vertrauen, nach Liebe und Geborgenheit. Es ist als ob es vor dem Winter das herbstliche Leuchten braucht, um in der nahenden Kälte und Finsternis die Wärme und das Licht nicht zu verlieren. Es ist als ob der Tod nicht ohne die Hoffnung besiegt werden kann, die von der Ewigkeit berichtet. Es scheint mir, dass der Mensch nicht ohne die Zuneigung Gottes zu leben vermag. Der Mensch verlöre sich in sich selbst. Die Lebensernte spiegelt sich in den Früchten der Erde und macht mich zutiefst dankbar. Diese Dankbarkeit ist zunächst vordergründig, im Erntedankfest jährlich gefeiert, das Ergebnis menschlicher Arbeit und Fähigkeit, die Natur so zu gebrauchen, dass sie möglichst allen nützt.

Längst haben wir die jahreszeitlichen Grenzen durch globalisierte Mobilität überwunden, so dass der Herbst auch der Frühling ist und der Winter für Witterungsempfindsame gegen den Sommer eingetauscht werden kann. Der Speiseplan ist längst nicht mehr jahreszeitlich und die Kinder wissen kaum, dass eine Kuh nicht lila ist und die Kartoffel nicht aus dem Sack vom Supermarkt kommt. Wir haben über weite Strecken des alltäglichen Lebens den Boden der Natur unter den Füßen verloren. Wir stehen auf unserer selbst gemachten Welt und erinnern uns nur mühsam an unser Geschöpfsein in der Schöpfung. Die starken Naturereignisse, die wir nur noch beobachten und wenn es gut geht, eine Vorhersage treffen, die signalisiert, uns in Sicherheit zu flüchten, machen deutlich: Ich bin nur ein unbedeutender, winzig kleiner Teil des Lebens, dessen Zusammenhänge der Mensch anfanghaft erahnt.

So bleibt in mir bei aller Machbarkeit die Frage nach dem Sinn und Ziel all dessen, was mich da so in Bewegung und Beschäftigung hält. Das Gespür für den Ursprung und das Ziel des Lebens mischt sich in den Herbst. Der überwältigende Sternenhimmel, das unendliche Meer, das Licht der wärmenden Sonne, die Früchte der Erde und das Wunder des eigenen Lebens werden so zum täglichen Geschenk des Ewigen an mich. Die Farben der Lebensernte und die Begegnung mit der ungewissen Zukunft unseres Lebens stellen mir den sorgenden, phantasievollen, liebenden, treuen, nahen und fremden Gott vor die Augen der Seele und ich muss staunend erkennen: Ich bin trotz meiner Ignoranz und Eitelkeit, trotz aller Schwächen und Fehler von ihm geliebt. Seine immer neuen Überraschungen und bestaunenswerten Wunder präsentiert er mir. Die Liebeserklärungen der Ewigkeit wollen nicht enden. So wächst die Dankbarkeit in die Lebenstiefe und die Feier der Eucharistie als die Danksagung des Lebens führt ins Ziel zu Gott. Er gibt sich selbst im Sohn, damit ich lebe und in Ewigkeit nicht sterbe.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie diese Lebensdankbarkeit und das Gespür, dies in der Feier der Eucharistie ausdrücken zu dürfen.

Herzlich Ihr Pfarrer Bertram Tippelt.




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