Liebe Gemeinde! 

Gott ist Mensch geworden.

Er zeigt seine bedingungslose Liebe so offen und verletzlich, so ehrlich und wahr, so kindlich rein ohne Absicht und so intensiv, dass die Menschen bis heute davon reich beschenkt sind. 

Diese Liebe reicht über den Tod und in jedes menschliche Herz. Friedrich Overbeck hat in seiner romantischen Art dieses Geheimnis des Festes der Liebe als Anbetung der Weisen dargestellt.

 

Mittelpunkt des Bildes ist das Haupt des Weisen, der sich am tiefsten vor dem Kind beugt. 

 

Diese Verneigung wird durch den in die Höhe gerichteten Arm des zweiten Königs, der seinen Hut grüßend empor nimmt, kontrastreich verstärkt. 

Der Tiefgebeugte hat die ganze Aufmerksamkeit des Kindes. 

Liebevoll blickt das Jesuskind nicht zu den Gaben, sondern in das Gesicht des Weisen. 

Die ganze Lebensweisheit spricht aus dem Gestus des Alten und macht ihn so zum Anbetenden. 

Darin wird er König und kommt dem Kind auf eigentümliche Weise distanziert nahe. 

Die musizierenden Hirten umspielen diese Szene der liebevollen Hingabe und geben dem ganzen Bild Rhythmus. Alles wirkt beschwingt. Der verzückte Gesichtsausdruck des heiligen Josef spiegelt den weihnachtlichen Frieden der Beteiligten und des Betrachters/der Betrachterin wider. Schaue ich in einen Lebensspiegel meiner selbst? 

 

Dort wo sich mein Leben vor Gottes Menschlichkeit verneigt, wo die gebende Hand mein Leben bestimmt, dort wo ich mich klein mache und die Krönung des Lebens ablege, wo ich zur Anbetung Gottes finde, erfahre ich Frieden, der tiefer ist als alle irdischen Dimensionen es je sein können. 

In diesem Glück des anwesenden Gottes findet die Heilige Nacht ihr Ziel: Die Erlösung der Menschheit. 

Christus, der Retter ist da. 

Der Stern des menschgewordenen Gottes erstrahlt und bringt das Licht der Ewigkeit in Form der Liebe in die Welt. Dies zu erkennen, ist königliche Weisheit und Ziel jedes Menschen, der menschlichen Gesellschaft und aller Geschichte. 

Diesen Sinn suchen wir Menschen wie die Weisen aus dem Morgenland. 

In der Entdeckung des Geheimnisses der Menschwerdung Gottes finde ich zur Anbetung und Darbringung meines Lebens. 

Ein Tausch vollzieht sich. Ich bringe mich und Gott gibt sich. 

In dieser Liebe geborgen, gewinnt unser Leben neu Gestalt. 

Im Licht des menschgewordenen Gottes kommt mein kleiner Alltag in seiner Liebessuche zum Schatz des Lebens und entdeckt darin die Sinnspitze des Daseins.

Vielleicht gelingt es, in der Geste der Verneigung voreinander, die Würde und Größe des Menschen neben mir als ein reiches Geschenk der Liebe, die das Leben Mensch werden lässt wahrzunehmen und zu erfahren.

In dieser gefundenen Freude der Menschwerdung Gottes grüße ich Sie und Ihre Familie zum Fest und ins neue Jahr 2004 herzlich

Ihr Pfarrer Bertram Tippelt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Show details for Alle Dokumente in dieser RubrikAlle Dokumente in dieser Rubrik