Worte für den Tag - Advent 07 von Pfarrer Bertram Tippelt

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O Immanuel, Gott mit uns.

Du König und Lehrer,

du Sehnsucht der Völker und ihr Heiland.

Komm, o Herr, und erlöse uns, Herr, unser Gott.

 

So 23.12. Wort für den Tag


 

Das vorletzte Stiefelchen entleere ich aus meinem Adventskalender. Morgen bin ich beim Stern angekommen. Heiliger Abend, heilige Nacht. Das Warten hat sich gelohnt. Es war eine schöne Zeit des Advents.

Die Gebetsrufe, die wir in dieser Woche am Morgen betrachtet haben, werden durch ein Akrostichon vervollständigt. Die sieben Messiasanreden ergeben rückwärts gelesen in lateinischer Sprache die Worte „Ero cras“. Das bedeutet: Morgen werde ich (da-)sein.

 

O Immanuel, Gott mit uns. Du König und Lehrer,

du Sehnsucht der Völker und ihr Heiland.

Komm, o Herr, und erlöse uns, Herr, unser Gott.

 

Mit Jugendlichen habe ich über diese alten Gebetsrufe in einer adventlichen Nacht nachgedacht. Antonia schrieb zu dieser letzten O-Antiphon folgendes Gebet:

 

Gott mit mir

Gott mit dir

Gott mit uns allen, nicht wir allein

Gott mit uns

Leben in uns

Leben mit uns

Leben um uns

Leben überall, kein Tod

Gott, das Leben: die Sehnsucht aller Menschen

Sehnsucht nach Leben

Sehnsucht nach Frieden

Sehnsucht nach Liebe

Gott erfülle unsere Sehnsucht

Gott sei mit uns

Komm Gott, sei bei uns

Erlöse uns

Erlöse uns vom Tod

Erlöse uns vom Krieg

Erlöse uns vom Hass

Erfülle unsere Sehnsucht

Mach uns vollkommen

Erfülle uns mit FreiheitGott sei mit uns

Gott mit uns allen, in allen Lebenslagen

Gott mit uns zu aller Zeit

Gott mit uns überall

Gott bei allen Menschen

Gott auf der Welt

Welt in Gott

alles spürt Gott

alles kennt Gott

alle handeln nach Gott

die Welt ist ein Spur Gottes

die Welt ist voll Leben

die Welt ist voll Frieden

die Welt ist voll Liebe

die Welt ist voll Gott

die Welt ist mit Gott

die Welt ist in Gott

unsere Sehnsucht ist erfüllt

wir sind erlöst

Gott mit uns

Immanuel

O König

der Völker, den sie alle ersehnen.

Du Eckstein, der das Getrennte eint.

Komm, o Herr, und befreie den Menschen, den du aus Erde erschaffen hast.

Sa 22.12.07 Wort für den Tag

 

 

 

Mit einer kleinen Leiter steige ich zum Adventsstiefel meines Kalenders. Noch zwei Tage zur Heiligen Nacht. Auf einem kleinen Zettel stehen Wünsche nach Ruhe und Besinnung. Angesichts der Hektik der letzten Tage beginne ich zu zweifeln.

Schnell kommt die Überforderung. Die vielen Aufgaben, die noch erledigt werden müssen. Vieles ist noch unvollkommen und ich weiß nicht wie sich alles zusammenfinden wird zur Heiligen Nacht.

Der Gebetsruf des heutigen Tages sieht auf jeden Fall mehr als nur die eigene Haustür.

 

O König  der Völker, den sie alle ersehnen.

Du Eckstein, der das Getrennte eint.

Komm, o Herr, und befreie den Menschen, den du aus Erde erschaffen hast.

In einer Welt, die sich so ausdifferenziert, wie die unsrige, da ist die Sehnsucht nach Einheit groß. Vieles zerbricht nämlich: im eigenen Leben, in der Familie.

Ja Streit im Großen und Kleinen ist an der Tagesordnung. Das Leben wird sehr mühsam.

 

Wie schön wäre es, wenn das Getrennte geeint würde und Vielfalt möglich wäre. Ich habe einen Traum von der einen Welt, voller Frieden und Einheit, voller Verständnis und Rücksichtnahme. Diesen Traum möchte ich nicht aufgeben.

Mein Gespür sagt mir, das wir im innersten eins sind in Gott. Er vermag das Getrennte zu einen, zusammenzubringen und zu vervollkommnen.

Diese Hoffnung möchte ich nähren und wach halten. Lassen Sie sich anstecken vom Traum nach Einheit, nach Frieden.

Die Heilige Nacht, die wir erwarten, ist der Versuch Gottes uns diese Wirklichkeit vor Augen zu führen. Er kommt selbst und befreit uns aus unserer Unvollkommenheit. Er ist die Einheit, die alles zusammenführt zu einem großen Fest der Liebe und des Lebens.

 

 

O König  der Völker, den sie alle ersehnen.

Du Eckstein, der das Getrennte eint.

Komm, o Herr, und befreie den Menschen, den du aus Erde erschaffen hast.

O Anfang,

Glanz des ewigen Lichtes,

du Sonne der Gerechtigkeit,

komm, o Herr, und erleuchte uns,

die wir sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.

Fr. 21.12.07 Wort für den Tag

 

 

Noch drei Tage sagt mein Adventskalender, dann ist Heiliger Abend, dann geht es in die Heilige Nacht, dann kommt Gott zur Welt. Die Ewigkeit wird sichtbar. Etwas ganz neues beginnt. Der heutige Gebetsruf in der Liturgie der Kirche beschreibt das so:

 

O Anfang, Glanz des ewigen Lichtes,

du Sonne der Gerechtigkeit,

komm, o Herr, und erleuchte uns,

die wir sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.

Das Geschehen auf das wir im Advent warten, ist nichts Geringeres als das wir unserer eigenen Zukunft begegnen.

Gott soll Mensch werden. Das ist die Erwartung. Davon erhoffen wir tatsächlich eine grundsätzliche Besserung unserer Lage.

Wir sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes. Wir merken die Begrenzungen unseres unvollkommenen Lebens auf Schritt und Tritt. Alles schreit nach Veränderung, nach Verbesserung, nach Gerechtigkeit, nach Frieden.

 

Ja das Licht der Heiligen Nacht, die Geburt Gottes taucht unsere Welt in ein neues Licht, ins Licht der Ewigkeit, ins Licht der Liebe Gottes. Dieses Licht lässt unsere Welt neu erstrahlen. Alles bekommt in diesem Licht ein neues Gesicht, eine neue Sicht, Ansehen und Wertschätzung.

 

In diesem Licht des ewigen wird alles neu. Alles bekommt einen neuen Glanz.

Das verändert uns, wie das Lächeln eines Neugeborenen, wie die liebevolle Umarmung zweier Menschen, die es geschafft haben sich glücklich zu machen,

Es verändert uns wie ein gutes Wort.

Es beginnt mit der Sehnsucht nach diesem Licht der Liebe.

 

O Anfang, Glanz des ewigen Lichtes,

du Sonne der Gerechtigkeit,

komm, o Herr, und erleuchte uns,

die wir sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.

O Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israel,

du öffnest und niemand schließt,

du schließest und niemand öffnet.

Komm, o Herr, und befreie aus dem Kerker den Gefangenen,

der da sitzt in Finsternis und im Schatten des Todes.

Do 20.12.07 Wort für den Tag

 

 

Die Stiefelchen meines Adventskalenders hängen an einer langen Schnur und sind fast bis zur Decke geleert. Auf dem Stuhl stehend werde ich die letzten 4 Verbleibenden nicht erreichen.

So weit nach oben haben mich die Adventstage gebracht. Wir stehen kurz vor dem Fest. Sind aber noch nicht angekommen.

Der Gebetsruf der o-antiphon für den 20. Dezember malt ein ganz anderes Bild. Nicht unter der Decke oder kurz vorm Himmel, nein das menschliche Leben ist sehr erdgebunden. Geradezu in den Grenzen des Todes verhaftet.

 

In diesem Wissen spricht der Beter mit den Worten des Alten Testamentes seine Sehnsucht und seinen Wunsch:

 

O Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israel,

du öffnest und niemand schließt,

du schließest und niemand öffnet.

Komm, o Herr, und befreie aus dem Kerker den Gefangenen,

der da sitzt in Finsternis und im Schatten des Todes.

Gerade zum Weihnachtsfest gehen die Gedanken an die Schwachen, Armen und Entrechteten. Wir suchen nach Möglichkeiten, die Welt für alle Menschen gut zu gestalten. Kein Mensch soll hungern müssen. Keiner soll unter Gewalt leiden.

Der Wunsch nach Frieden und Gerechtigkeit ist selten so echt und weltumspannend wie zum Weihnachtsfest.

Wenn es doch jemanden gäbe, der mit seinem ganzen Einfluss, die Menschen zur Vernunft, zum Frieden, zum Miteinander, zum Glück brächte.

Wenn es doch einen gäbe, der alles Leid, alle Krankheit wegtrüge und allen Hass für immer verbannen könnte.

Diese Sehnsucht, dieser innige Wunsch ist Gebet im Advent.

Wir Menschen sind gefangen im Dunkel unserer Endlichkeiten und eigenen Verstrickungen. Wir sind gefangen im Kerker unserer Finsternisse.

 

Das Kommen des Erlösers ist der Schlüssel aus diesem Gefangen sein. Die Menschwerdung Gottes ist der Schlüssel aus den Dunkelheiten des Todes. Weihnachten vermag die Tür zum Leben, zum Licht der Ewigkeit wirklich zu öffnen.

 

O Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israel,

du öffnest und niemand schließt,

du schließest und niemand öffnet.

Komm, o Herr, und befreie aus dem Kerker den Gefangenen,

der da sitzt in Finsternis und im Schatten des Todes.

O Wurzel Jesse,  gesetzt zum Zeichen für die Völker.

Vor dir verstummen die Mächtigen, zu dir rufen die Völker.

Komm, o Herr, und erlöse uns, zögere nicht länger.

Mi 19.12.07 Wort für den Tag

 

 

Wie mein adventlicher Stiefelkalender Tag für Tag eine kleine Überraschung bereit hält, um mich Schritt für Schritt auf das Weihnachtsfest vorzubreiten. So ist der adventliche Text im heutigen Gebetsruf ein Signal zur Heiligen Nacht.

 

O Wurzel Jesse,  

gesetzt zum Zeichen für die Völker.

Vor dir verstummen die Mächtigen, zu dir rufen die Völker.

Komm, o Herr, und erlöse uns, zögere nicht länger.

An die Wurzel zu gehen ist eine mühsame aber lohnenswerte Sache.

An der Wurzel erkenne ich besser Zusammenhänge, begreife scheinbare Widersprüche und empfange Motivation und Perspektive. Wenn ich dies im eigenen Leben tue, erfahre ich sehr viel über mich selbst.

 

Die Menschwerdung Gottes ist ein Zeichen für die Völker. Sie zeigt die Wurzel allen Lebens – die Liebe Gottes. Er liebt uns Menschen und sucht den Weg zu uns, um auf Augenhöhe, ganz unscheinbar und ehrlich, um Liebe zu werben.

In der Antwort auf dieses Angebot eröffnet sich eine neue Dimension meines Lebens.

Die Liebe Gottes zu uns Menschen, besiegt den Tod. Sie lässt buchstäblich die Mächtigen verstummen und vermag das Unglaubliche zu bewegen.

 

Und etwas wird mir in dieser Wurzel des Lebens noch deutlich:

Wenn die Mächtigen verstummen und die Völker gehört werden, dann ist Weihnachten nicht nur mein ganz privates, familiäres Fest.

Es ist der Ort aller Menschen, die angenommen, verstanden, geachtet und geschätzt werden. Alle Menschen sind ernst genommen, auch und gerade die Schwachen, die Ungehörten, die Ohnmächtigen.

Wir sind aufgerufen heut die Wurzel des Lebens zu spüren, die Liebe.

 

Sie zu ersehnen, sie zu erbitten das ist Advent.

 

O Wurzel Jesse,  

gesetzt zum Zeichen für die Völker.

Vor dir verstummen die Mächtigen, zu dir rufen die Völker.

Komm, o Herr, und erlöse uns, zögere nicht länger.

O Herr und Fürst

des Hauses Israel,

du bist dem Mose erschienen in der Flamme des Dornbuschs und

gabst ihm das Gesetz am Sinai.

Komm, o Herr, und erlöse uns mit starkem Arm.

Di 18.12.07 Wort für den Tag

 

 

Mein Adventskalender hat inzwischen 17 leere Stiefel. Es ist doch eine ganz schöne Wegstrecke Advent zurückgelegt. Heut am 18. Dezember führt mich der alte Gebetsruf der Liturgie in die Zeit der Gefangenschaft Israels nach Ägypten und auf den Sinai, dem Ort der 10 Gebote.

Advent ist Sehnsucht nach Freiheit und Ordnung.

 

 

O Herr und Fürst des Hauses Israel,

du bist dem Mose erschienen in der Flamme des Dornbuschs und

gabst ihm das Gesetz am Sinai.

Komm, o Herr, und erlöse uns mit starkem Arm.

 

Wie viel Gefangenschaft gibt es am heutigen Tag:

-          die Menschen, die gefangen sind in der Armut, in der Arbeitslosigkeit, in der Heimatlosigkeit der modernen globalen Welt,

Wie viel Gefangenschaft gibt es

-          in den Familien, in den Lebenszusammenhängen und Abhängigkeiten unserer Beziehungen. Wie viel Gefangenschaft gibt es in mir selbst.

 

Ja es bräuchte einen, der kommt und befreit, der stark ist und den Überblick hat.
Es bräuchte einen, der mir hilft aus meiner Enge heraus,
einen, der mich versteht, mich an die Hand nimmt und mir Mut macht.
Es bräuchte einen, der stark ist und dem ich vor allem vertrauen kann, immer rückhaltlos.

 

Diese Hoffnung auf einen, der kommt ist noch nicht Advent.

Das Kommen dieses einen, das ist Advent.

Nehmen wir die Zeichen seines Kommens wahr. Lassen Sie sich ansprechen von den Augenblicken der Liebe. Sie allein befreit uns aus den Kerkern des Hasses, der Gewalt und der Unfreiheit.

Die Liebe Gottes, die uns in der Heiligen Nacht als Kind geboren wird, ist das stärkste Zeichen, das Gott jedem Menschen ganz persönlich schenken möchte.

Dieses Kind befreit uns zur stärksten Kraft, die dem Menschen bekannt ist, zur Liebe.

 

 

O Herr und Fürst des Hauses Israel,

du bist dem Mose erschienen in der Flamme des Dornbuschs und

gabst ihm das Gesetz am Sinai.

Komm, o Herr, und erlöse uns mit starkem Arm.

 

O Weisheit,

hervorgegangen aus Gottes Mund, mächtig wirkst du in aller Welt, und freundlich ordnest du alles. Komm, o Herr, und lehre uns den Weg der Einsicht.

 

Mo 17.12.07 Wort für den Tag

 

 

Der Advent ist spannungsgeladen. Sieben Stiefelchen muss ich von meinem Adventskalender noch leeren, bis das Weihnachtsfest da ist.

Die Vorfreude zum Fest bricht sich Bahn.

Einige, nicht nur die Kinder, können es gar nicht abwarten und feiern jetzt schon mal Weihnachten.

Der Advent ist aber Advent, Ankunft, Erwartung.

In einer alten Antiphnon, einem Gebetsruf, der immer wieder erschallt und durch den heutigen Tag führen möchte, heißt es:

 

O Weisheit,

hervorgegangen aus Gottes Mund,
mächtig wirkst du in aller Welt, und freundlich ordnest du alles.
Komm, o Herr, und lehre uns den Weg der Einsicht.

 

Ja, weise ist es, Ursprung und Herkunft der Welt zu kennen. Gottes Macht wirkt in jedem Tag und jeder Nacht in der Schöpfung. Diese Ordnung des Lebens widerfährt uns auch am heutigen Tag.

 

Wenn ich doch darin die Freundlichkeit Gottes erkennen könnte,

in der Luft, die ich atme,

in den Bildern, die ich mit meinen Augen wahrnehmen werde,

in den vielen Stimmen, die mein Ohr zu hören vermag,

in den Düften, die ich riechen werde.

Wenn es mir doch heute gelänge, in den Menschen, denen ich begegne, die Freundlichkeit Gottes zu entdecken, wenigsten bei dem einen oder der anderen, dann wäre mir gleich wohler an diesem Morgen.

 

Mit dem Wissen, um die Freundlichkeit Gottes, ist dieser adventliche Tag fröhlicher, lichtvoller, schöner und mir von Anfang an vertrauter.

Mit dem Wissen, um die Macht Gottes, die mir zu gewandt, mich schützen, mich begleiten und mir helfen möchte, ist mir der Tag im Advent, ein Weg zur Heiligen Nacht, in der Gott Mensch wird, weil er bei mir sein möchte.

 

O Weisheit,

hervorgegangen aus Gottes Mund,
mächtig wirkst du in aller Welt,
und freundlich ordnest du alles.
Komm, o Herr, und lehre uns den Weg der Einsicht.




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