Glaube, Liebe, Galgen - Nikolaus Groß

Wenn wir heute nicht unser Leben einsetzen, wie sollen wir dann vor Gott und unserem Volk einmal bestehen?

Nikolaus Gross

Diese Frage formulierte Nikolaus Groß am 19. Juli 1944, also am Vorabend des Attentats auf Hitler. Er selbst riskierte sein Leben – wohl wissend, dass er damit sich, seine Frau und seine sieben Kinder in höchste Gefahr brachte. Seinen Widerstand gegen das menschenfeindliche NS-Regime bezahlte er mit dem Leben. Nach der Verurteilung durch den Volksgerichtshof wurde er am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. "Er schwamm mit im Verrat, muss folglich auch darin ertrinken“ – so der berüchtigte Prä­sident des Volksgerichtshofes, Roland Freisler.

Nikolaus Groß wurde am 30. September 1898 geboren. Nikolaus Groß war Bergmann und arbeitete unter Tage auf einer Zeche in Nieder­wenigern a.d. Ruhr, seinem Geburtsort. Während seiner beruf­lichen Tätig­keit enga­gierte er sich bereits stark ehrenamtlich. Er wurde 1920 Gewerkschaftssekretär im „Gewerksverein christlicher Bergleute“, trat 1919 der KAB bei und wurde 1927 Redakteur der Westdeutschen Arbeiter Zeitung (WAZ), dem Verbandsorgan der KAB.

Bereits Ende der 20er Jahre bezog er Stellung gegen den immer stärker werdenden Nationalsozialismus. Er nutzte jede Gelegenheit, um die katholische Arbeiterschaft gegen die NS-Ideologie zu immunisieren. So schrieb er zum Beispiel in einem Leitartikel in der WAZ im September 1929: „Wir lehnen als katholische Arbeiter den Nationalsozialismus nicht nur aus politischen und wirtschaftlichen Gründen, sondern entscheidend auch aus unserer religiösen und kulturellen Haltung entschieden ab...“

In den folgenden Jahren gab es keine Veranstaltung, auf der Nikolaus Groß als Redner auftrat,  auf der er nicht vor der drohenden Gefahr des Nationalsozialismus warnte. Er stand immer in vorderster Front, um seinen Einfluss im Interesse der Kirche und der katholischen Arbeiter geltend zu machen und die befürchtete Katastrophe einer NS-Machter­greifung abzuwenden.

Doch alle Bemühungen blieben erfolglos. Mit der Machtergreifung des Nationalsozialismus am 30. Januar 1930 wurde auch dem Wirken der KAB bald ein Ende gesetzt. Bereits am 14. März 1933 wurde die WAZ zum ersten Mal für 3 Wochen verboten. Endgültig wurde die inzwischen in „Ketteler Wacht“ umbenannte Zeitung der KAB 1938 verboten. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass Nikolaus Groß bei den Nazis verhasst war. Aber auch innerhalb der kath. Kirche traf Nikolaus Groß nicht immer auf Zustimmung. Für Groß gab es jedoch keinen Zweifel, dass dem Nationalsozialismus Einhalt geboten werden musste. Er war fest davon überzeugt, dass dieses Regime bald überwunden sein wird. Er schuf im Letterhaus, der Verbandszentrale der KAB, eine ständige Zusammenkunft, in der über Maßnahmen für die Zeit danach nachgedacht wurde.

Nachdem das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 missglückt war, wurde Nikolaus Groß am 12. August 1944 verhaftet und später vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.

Am 23. Januar jährt sich zum 60. Male der Tag, an dem Nikolaus Groß in Plötzensee hingerichtet wurde. Die Kirche hat den Einsatz von Nikolaus Groß gewürdigt, in dem sie ihn am  7. Oktober 2001 als Märtyrer selig gesprochen hat.

Die KAB-Berlin gedenkt und ehrt Nikolaus Groß mit einer Feierstunde am Ehrenmal in Plötzensee und einem anschließenden Gottesdienst in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum. Am 23. 01. 2005, um 9 Uhr findet die Feierstunde am Ehrenmal statt und um 10 Uhr beginnt der Gottesdienst.

J. Ulbig




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