Liebe Gemeinde,

fünf Bildtafeln verhängen das österliche Altarkreuz in der Bußzeit in unserer Kirche. Die fünf Stellen markieren die Wundmale Jesu. Auf den ersten Blick erscheint dies naturalistisch. Bei den sonntäglichen Betrachtungen zu dieser Installation anhand der Evangelien wurde schnell deutlich, dass sie weit mehr ist als eine historisierende Darstellung des Kreuzestodes Jesu.

Die Herzmitte des Lebensengagements Jesu ist die Hingabe: Das ist mein Leib. So feiern wir am Gründonnerstag dieses höchste Zeichen der liebenden Zuwendung Gottes als Heilszeichen für jeden von uns. Wir dürfen uns in der Liebe Jesu wissen, die in den Tod geht, um das Leben für uns alle in die Ewigkeit zu wandeln. Unter diesem österlichen Blickwinkel bekommt das Handeln Jesu eine Perspektive, die sein Tun erst wirklich entschlüsselt und erklärt. Sein Lebensweg wird zur Orientierung und ruft zur Nachfolge. Sein Denken und Reden haben den eigentlichen Verständnishintergrund gefunden: Ostern. So werden die Hände und Füße am Kreuz zum Wegzeichen der Liebe in die Gegenwart Gottes, in den Himmel. Sie können unser Herz und unser Denken erreichen.

Wir werden Ostern feiern. In der Dunkelheit des Morgens werden wir das österliche Licht entzünden, weil inmitten des Todes am Kreuz das österliche Halleluja die Auferstehung besingt. Jesus findet in dieser Todesnacht die Auferstehung als Weg für unsere Zukunft.

Wenn es uns gelingt, die Dunkelheiten unseres Lebens, unsere Unvollkommenheiten, unsere Hoffnungslosigkeiten, unsere Lieblosigkeiten, unsere Ausweglosigkeit, unsere Ohnmacht, schlicht all die Zeichen des Todes, im Feuer dieser österlichen Liebe Gottes zu verbrennen und uns ins Licht der Auferstehung wandeln zu lassen, dann ist das Osterfest ganz gegenwärtig in unserer Welt. Die Spuren des Ewigen zeichnen sich in unser Leben und wir erfahren die Dichte der Liebe Gottes im Licht der österlichen Kerze im Dunkel des anbrechenden Auferstehungsmorgen. Das Geheimnis der Liebe Gottes liegt in dieser österlichen Wandlung des Unvollkommenen in die Vollkommenheit Gottes. Es wandelt sich der Tod in Leben. Die Wundmale werden zu Wegzeichen des Österlichen. Sie zieren die Osterkerze und deuten das Jahr 2006 im Anfang und Ende in Gott geborgen. Das gilt für unsere ganze Lebenszeit. Wir werden wie die Jünger von Emmaus auf unserem (Lebens-)Heimweg fragen und suchen, unser Leben deuten. Dabei hat sich der Auferstandene schon längst unter uns gesellt und begleitet uns liebevoll.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie, dass wir diesen liebenden Begleiter in unsere Wohnungen und unser Leben einladen, … „wenn es Abend wird und sich der Tag geneigt hat“. Wir dürfen ihn beim Mahlhalten als das Licht der ewigen Liebe Gottes erkennen, der uns persönlich meint und dem unser Herz längst sein Leib geworden ist, weil er uns Leben schenkt und ihm Gestalt gibt jeden Tag bis in Ewigkeit. So möge Ihnen diese österliche Freude geschenkt werden, die Liebe heißt und ewig bleibt.

Herzlich Ihr Pfarrer Bertram Tippelt




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