Ökumenisch vorbereitend auf Tod und Leben

Ist Ihnen die alte Dame auf dem Balkon vor ihrer SAT-Schüssel aufgefallen? Haben Sie den jungen Vater, der liebevoll schützend sein Kind auf dem Arm hält, unter der runden Bahnhofsleuchte gesehen? Konnten Sie den drei im Gespräch Vertieften unter den Kronleuchtern folgen? Und ist Ihnen die junge Frau im lila Hemd unter der Neonröhre begegnet? Dabei erscheinen die SAT-Schüssel und die elektrischen Leuchten zufällig hinten bzw. über den Köpfen und wirken wie Heiligenscheine. Die Plakatmotive werben für den Ökumenischen Kirchentag in Berlin zum Himmelfahrtsfest. Bis dahin ist noch ein weiter auch innerer Weg zu gehen. Jetzt sind am Aschermittwoch die Masken abgelegt. Der Fasching ist zu Ende. Die vorösterliche Bußzeit lädt zur Vorbereitung ein auf das größte und schönste Fest der Christen - Ostern. Diese Fastenzeit – der Ramadan der Christen – soll dem Menschen helfen, sich selbst im Ganzen der Welt neu wahrzunehmen. Das Gespür für den Ursprung und das Ziel menschlichen Lebens wird geweckt: Tod und Auferstehung.

Dazu sollen nach alter geistlicher Tradition drei Dinge helfen: Fasten, Beten und Almosen geben.

Aber gibt es Tod und Auferstehung in meinem Leben?

Mit den Mädchen und Jungen der St.-Marien-Grundschule mache ich mich auf die Suche. Wir gestalten in den 40 Tagen der Fastenzeit in der Pausenhalle eine Gartenlandschaft. In Sinnbildern für Tod und Auferstehung suchen wir diese Wirklichkeit in uns selbst. Das Samenkorn muss sterben, damit es reiche Frucht bringt. Aus der hässlichen Zwiebel erwächst eine wunderschöne Blume. Die Wüste wird auf wunderbare Weise durch Wasser zum blühenden Garten.

Ob unser Leben verborgen die Ewigkeit birgt wie das Samenkorn die vielfältige Frucht, die Zwiebel die Blüte, die Wüste den Garten?

Suchen wir in unserem, dem Tod geweihten Leben die Spuren der Auferstehung! Machen wir uns auf den Weg, in Hoffnungs- und Ausweglosigkeit Zeichen der Hoffnung zu entdecken! Wecken wir in den mutlos Gewordenen den Mut! Geben wir Orientierung in der Weglosigkeit!

Der Ostergarten findet sein Ziel am Grab Jesu, markiert durch die Osterkerze. Sie wird dort sein, wo in der Weihnachtszeit traditionell die Krippe mit Maria und Josef steht. Es sind beeindruckende 1,20 m große Figuren von Rudolf Heltzel aus der Nachkriegszeit.

Maria Magdalena und der Gärtner begegnen einander. Maria spürt durch die Tränen ihrer Liebe den Auferstandenen.

In den Figuren im Ostergarten werden die Kinder die Krippenfiguren entdecken, die in neuem Gewand dasselbe Geheimnis darstellen. Gott ist unter uns und mit uns und durch uns. So können wir Segen sein auch für Berlin.

Suchen Sie Ihr neues Leben! Gestalten Sie Ihren Lebensgarten! Suchen Sie nach Samen, Wurzeln und Quellen der Ewigkeit - 40 Tage lang - bis Ostern! Vielleicht merken Sie die zufällig erscheinenden Hinweise auf die Wirklichkeit Gottes, die unser Leben hell, heilig machen.

So wird es allen zum Segen, wenn die Christen Deutschlands sich österlich am Himmelfahrtsfest zum Ökumenischen Kirchentag in Berlin versammeln.

Pfarrer Bertram Tippelt, St. Dominicus




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