Männerwanderung - Auf den Spuren der Walser

Zwei Autostunden nördlich von Mailand, im Grenzland zwischen Italien und der Schweiz, trafen sich im September 2011 elf unternehmungslustige Männer aus St. Dominicus, um rund ums Val Formazza von Hütte zu Hütte, über Berg und Tal zu wandern.

Die Vorhut, die schon Mitte der Woche startete, hatte die Berge ganz für sich. Kein Wanderer kreuzte ihre Wege. Endlose Felder mit Felsblöcken forderten die letzten Reserven. Da kamen die herzliche Aufnahme in der Schweizer Hütte und die liebevolle Bewirtung dort gerade recht.

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Der nächste Tag bot auch wieder eine Herausforderung: Einmal falsch abgebogen und schon verlängerte sich die Tour um drei Stunden. Die Abkürzung durchs weglose Gelände war wohl doch die längere Variante. Gerade rechtzeitig zum Abendessen hat die Vorhut dann doch die nächste Hütte erreicht und wurde von der Nachhut mit großem Hallo begrüßt.

Am Sonnabend machten wir uns dann in voller Stärke auf den Weg, vorbei an vielen putzigen Murmeltieren, die uns munter hinterher pfiffen. Der Weg über den Giacomopass öffnete neue, weite Blicke auf imposante 3000er, die uns nun eine Weile begleiteten. Am Griespass betraten wir historischen Boden, nämlich eine alte Handelsstraße, über die vor Jahrhunderten die Walser aus der Schweiz ins Piemont zogen, wo sie bis heute deutschsprachige Orts- und Flurnamen hinterlassen haben. Nur schwer konnten wir uns von dieser Stelle trennen. Denn ein gleißender Gletscher leuchtete über einem türkisfarbenen Stausee, der auch einen besonders Mutigen zum Bade verlockte. Nun mussten wir noch einmal alle Kräfte mobilisieren, um nach einem steilen Abstieg auf einen Almboden einen ebenso steilen Anstieg zur letzten Hütte zu bewältigen.

Am nächsten Morgen mussten wir leider auf spektakuläre Ausblicke verzichten. Grau in grau waberten die Wolken, und wir verwandelten uns in bunte Wichtel, um dem pausenlosen Regen zu trotzen. Die Idee, am nächsten Stausee die Messe zu feiern, mussten wir natürlich aufgeben. Aber zum Glück gab es im Talort eine kleine Kirche, weithin sichtbar auf einem Hügel thronend, und eine freundliche Wirtin, die uns den Schlüssel überließ. Dort versammelten wir uns um den Altar, feierten das Herrenmahl und ließen die letzten Tage Revue passieren.

Ulrich Herbert

 

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