Das Wort

 

Rundfunkansprache am 30.1.2005

Selig seid ihr …

Es schneit. Der Winter ist eingekehrt. Die Erde hat ein weißes Kleid angelegt. Alles Unschöne ist zugedeckt. Die Kinder haben Winterferien. Eine Gruppe Jugendlicher hat sich zum Rodeln in die Berge auf den Weg gemacht. Der Blick von den Bergen lässt die Welt im Licht der Sonne erscheinen. Der blaue Himmel öffnet sich weit. Alles bekommt einen größeren Horizont. Der Alltag wird überstiegen. Die Seele atmet auf. Himmel und Erde berühren einander. Das ist Glück.

Viele Menschen können dieses Glück nicht erleben.

Die Worte der Bergpredigt, die heut in den katholischen Gottesdiensten zu hören sind, klingen nicht so harmonisch, so glatt und problemlos glücklich. Sie sind ehr provokant, anstößig und schwierig. Sie nehmen den Mangel der Menschen ernst: die Armut, die Trauer, die Ohnmacht und doch beschreiben sie das Glück des Menschen:

Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.

Wie viele Arme gibt es auf unserer Erde, auch in Berlin,

die keine Chance haben,

die nichts mehr von der Welt erwarten,

die alles verloren haben!

Ihnen wird hier, Hoffnung gemacht. Manche meinen, das ist billiger Trost. Ich glaube, Gott steht auf ihrer Seite. Es ist eine verbindliche Zusage des liebenden Gottes.

Armsein vor Gott, kann mir auch deutlich machen:

alles, was ich habe und bin, ist mir von Ihm gegeben:

Die Welt, die Natur, die Lebenszeit, die Menschen, die ich liebe. Auch mich hat Gott gewollt. Das macht mich dankbar. Das ist ein Grund mit anderen zu teilen.

Die Trauer und Gewaltlosigkeit wird in den Augen Gottes (im Horizont Gottes aufgelöst in) Liebe, die unendlich tröstet und befreit.

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.

Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

Haben Sie schon erlebt, wie gut es tut ein reines Herz zu haben oder barmherzig zu sein?

Haben sie es schon erlebt, wie gut es ist Gerechtigkeit zu üben und Frieden zu stiften?

Es sind Grundhaltungen des Lebens. Sie können zu tiefem Glück führen. Das ist nicht ohne Mühe zu machen. Das fällt nicht vom Himmel. Es ist mühsam: Entschuldigung zu sagen, Versöhnung zu suchen, barmherzig zu sein.

Ich spüre darin aber immer mehr die Möglichkeit, meine kleine Welt von innen aus dem Herzen heraus zu erneuern und zu verändern. Das ist nicht Widerstandslos möglich aber es lohnt. Versuchen Sie es.

Es ändert sich die Lebensperspektive. Aus der Forderung wird Dankbarkeit, aus dem Dank Liebe und die Liebe führt zum Leben, zu Gott.

Der Horizont einer Wirklichkeit, die ihren Grund in der Seele hat und die über unsere irdische begreifliche Welt hinaus reicht, öffnet sich. So steht mein Leben in Beziehung zu dem unendlich liebenden Gott, dem Schöpfer, der mich persönlich mag.

Diese persönliche Beziehung, diese Freundschaft, diese Liebe trägt das Leben auch über den Tod hinaus. Es ist ein immer stärker werdendes Band des Lebens, das sich immer mehr mit Sinn füllt.

Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

Wie gut tut Verbundenheit und Treue in mitten einer ausweglosen verleumderischen Lebenssituation. Schwache werden stark durch Verbundenheit und Treue.

Ich wünsche ihnen den Mut, zu entdecken, dass sie selig gepriesen sind, weil sie alles von Gott erwarten, weil sie Trost finden, Gerechtigkeit spüren und nicht auf Gewalt setzen, weil sie den Frieden lieben und ein reines Herz suchen, weil die sich einsetzen und sich riskieren für eine Welt voller Wunder des Lebens und der Liebe.

Gott lockt uns jeden Tag in dieses Wunder des Glücks.

Es ist wie der unberührte Schnee. Das Licht der Morgensonne lässt ihn glitzern. Der blaue Himmel, in den die Sonne steigt, erzählt davon. Die lachenden Augen in den Gesichtern der Jugendlichen und Kinder, die ausgelassen im Schnee spielen, spiegeln das Glück des Lebens.

Ja selig seid ihr.




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