Das Wort 88,8 Sonntag, 15.11.09 um 9.50

Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

Mk 13,31

von Bertram Tippelt Pfarrer St. Dominicus Berlin Gropiusstadt

 

Alles ist dunkel geworden. Meine Welt ist zusammengefallen wie ein Kartenhaus. Licht am Ende meines Tunnels sehe ich schon lange nicht mehr. Jeden Sinn habe ich verloren. Selbst in den Nächten gibt es kein Licht: keinen Stern am Himmel, keinen Mond, nichts als Finsternis. Mein Leben ist tot.

Die Depression verdunkelt den letzten Rest Leben in mir. Warum ich? Warum mir? Warum meine Welt?

Solche oder ähnliche persönliche Weltuntergangsszenarien spielen sich in den Seelen vieler Menschen dramatisch ab. Äußere und innere Gründe verschiedenster Art gibt es für diese existenzielle Bedrohung des Menschen. Der Weltzusammenbruch und Untergang im ganz persönlichen Leben hat seine reale globale Entsprechung bei der Betrachtung des Umgangs mit den uns anvertrauten Ressourcen unserer Erde: dem Wasser, der Luft, der Energie.

Ist diese Realität der Hintergrund für den Erfolg der Weltuntergangsfilme dieser Tage?

Irgendwie wehrt sich mein Inneres gegen eine solche Schwarzmalerei.

Ich spüre tief in mir Lebenslust und Lebensfreude, Solidarität und Liebe, Hingabe und Vertrauen, Sinn und eine Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit, die nicht endet, ganz wahr und ehrlich ist, die alle Grenzen zu überwinden vermag und die ich nicht nur in Gott vermute, sondern bisweilen hautnah erleben darf.

Aber das ist es ja gerade.

Je mehr ich das Licht der Liebe Gottes ersehne und erfahre, desto mehr werden die Unvollkommenheiten dieser Welt nicht nur sichtbar, sondern spürbar.

Die von den Dunkelheiten unserer unvollkommenen Welt Erdrückten, haben die Sehnsucht nach Leben in Fülle oft in sich begraben. Es ist unerträglich geworden diese wahrzunehmen. Dennoch wirkt diese Sehnsucht, weil sie Grundlage und Quelle des Lebens ist.

Sie ist eine verborgene Verbindung. Sie führt direkt in die Liebe Gottes hinein.

Angesichts dieser, auch in mir oft verborgenen Sehnsucht, wird mir klar, dass mit dem Wahrwerden dieser Sehnsucht, mit dem Kommen der Herrlichkeit Gottes,

alle menschlichen Versuche, dieser Sehnsucht Leben zu schenken, vergehen:

das Licht - angesichts des kommenden Lichts Dunkel ist,

Liebe, die mir von Gott her entgegenkommt, so unübertroffen ist,

dass sich in diesem Glück alles Unvollkommene als Unvollkommen zeigt

und das ist eben vergänglich,

Zwischenstation, Trost und Hinweis auf die tiefere Wirklichkeit des Lebens,

die alles Seiende übertrifft,

die alle Widersprüche auflöst,

die Barmherzigkeit und Gerechtigkeit vereint,

die alles Sehnen erfüllt und alles heilt und ins Ziel bringt

und alles Bisherige, Unvollendete in die Vollendung führt.

Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

So lässt es der Evangelist Markus Jesus sagen und zeigt damit auf unsere Zukunft, die für jeden und jede begonnen hat.

Nehmen Sie seine Worte der Liebe und des Lebens auf. Sie werden erkennen, dass hierin eine Zukunft liegt, zu der wir alle unterwegs sind, die wir bereits in uns tragen und die zur Vollendung geführt wird. Je mehr ich daran heute schon Anteil nehme, desto mehr kann ich in der Geborgenheit der Liebe Gottes meine Unvollkommenheiten ertragen und im Licht der Liebe Zeichen des Lichtes in mitten einer in der Tat oft dunklen Welt setzen. Entzünden wir diese Lichter der Hoffnung, der Liebe, des Friedens.

Vor 20 Jahren konnten Kerzen, mit diesem Licht der Freiheit, Waffen zum Schweigen und die Mauer zum Einsturz bringen.

Ich wünsche Ihnen, dieses Licht der Worte der Liebe in ihrem Herzen.

Entdecken sie es besonders dann,

wenn es für sie und um sie dunkel wird, als Weg in eine Liebe-volle, Licht–volle Zukunft.




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