Es ist vollbracht

Rundfunkansprache „Das Wort“ am Karfreitag 07 im RBB 88,8

Der Karfreitag und Ostermontag sind in den meisten Ländern Europas freie Tage -Feiertage. Viele Menschen haben frei. Sie genießen diese Zeit der Osterferien als Urlaub und verreisen.

Oder die Familie kommt zum Fest zusammen. Wir nutzen diese Zeit zur Erholung zur Entspannung. Das tut uns gut.

Und doch kommen in mir Zweifel.

Werde ich dem Karfreitag und seinem Anliegen gerecht?

Ich frage mich: Was feiere ich da eigentlich in den Kar und Ostertagen?

Und geht es mir damit wirklich gut?

Die Kirchen feiern in den Gottesdiensten am Gründonnerstag das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Freunden.

Am Karfreitag gedenken sie des Leidens und Sterbens Jesu.

Der Karsamstag deutet die Grabesruhe und

in den Gottesdiensten der Osternacht wird meist in der Dunkelheit des frühen Morgens die Auferstehung und das Leben nach dem Tod gefeiert.

Die ganze Osterwoche hallt das Halleluja als der große Jubelruf wider.

Das Leben hat gesiegt. (Das tut gut.)

Soweit das kirchliche Programm der Osterzeit.

Aber wie passt das zu unserem Alltag?

Den Realismus des Leidens vom Gründonnerstag und die dunklen Facetten des Todes am Karfreitag umgehe ich als unangenehme Wirklichkeit, mit der ich mich nicht allzu gern auseinandersetzen möchte.

Mit der U-Bahn war ich, dieser Tage zu einem unheilbar an Krebs erkrankten Menschen unterwegs. In einem kleinen Gottesdienst - die Verwandten und Freunde waren dabei - habe ich das Sakrament der Krankensalbung gespendet Wir beteten miteinander und teilten das Abendmahl.

Der Tod liegt als ständiges Thema über der Diagnose. Die Therapie behandelt nur noch die Schmerzen. Ist das Leben zu Ende? Was geschieht im Tod? Gibt es die Geborgenheit in Gott nach dem Sterben?

Ich kann ehrlich gesagt das Sterben und den Tod nur in der österlichen Perspektive ertragen.

Der Gründonnerstag und Karfreitag beschreiben dabei Wegstationen des Lebens, die auf jeden von uns warten. Der Karfreitag gibt keine Antwort auf das Leid der Welt. Jesus stellt sich in mitten des Leids. Er scheut es nicht. Er weicht nicht aus. Er zeigt seine Solidarität mit all den Kranken, den Sterbenden, den Opfern ungerechter Gewalt und leidet mit und stirbt mit. Er geht ins Grab und bleibt bei den Menschen bis in die letzte Einsamkeit. Er führt durch den Tod hindurch. Er führt uns in die Geborgenheit Gottes.

Das Wunder des Karfreitags ist sein Wort, das Wirklichkeit wird: Es ist vollbracht. Vater in deine Hände lege ich meinen Geist.

So gelangt die Welt des Todes in die Hand Gottes. So wird Ostern. Das Leben kommt zur Ewigkeit. Mein Leben öffnet sich so in die Liebe Gottes durch Jesus.

Auferstehung ist nicht bloße Erinnerung in meinen Gedanken, sondern es ist die Raum und Zeit überschreitende, nicht messbare Wirklichkeit meiner Zukunft, die schon begonnen hat, die jeder Mensch in sich trägt, die ihn zum Menschen macht.

Es ist kein Gegenstand des Wissens, sondern der Liebe.

Ich lebe in der Liebe Gottes auch jenseits des Todes. Es ist ein Geheimnis, das sich hier zeigt. In jedem von uns ist die Liebe der Ursprung und das Ziel des Lebens.

Der Tod wird Durchgang zur Ewigkeit.

Es ist ein lebenslanger Prozess, dies zu erfahren und zu erkennen.

Mit dieser Botschaft des Karfreitags merke ich, das Ostern nicht nur ein schönes Frühlingsfest ist, dass es nicht nur der äußeren Erholung dient, sondern das es das Fest meiner Zukunft ist. Bei allem Tod der mich realistisch erwartet, wird mich die Liebe Gottes halten und zu sich holen in die Vollendung meines Lebens, in seine Liebe.

Es ist vollbracht - die Liebe. Sie ist stärker als der Tod. Ich wünsche Ihnen den Mut diese Tage in Ihren Lebenszusammenhängen zu feiern.

Entdecken Sie im Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu, die Liebe, die jedem Menschen ewiges Leben zu schenken vermag.

Pfarrer Bertram Tippelt




Show details for Alle Dokumente in dieser RubrikAlle Dokumente in dieser Rubrik