Liebe Gemeinde,

die Not in Haiti durch die Erdbebenkatastrophe erschüttert und provoziert zum Handeln.

Im Blick auf unseren allmächtigen Gott werden Fragen laut. Wie kann Gott so etwas zulassen. Hätte er nicht einschreiten können und die Not verhindern müssen? Die Fragen nach dem Leid und nach dem moralischen Verhalten Gottes drücken unsere Hilflosigkeit aus. Die Weltgemeinschaft sieht sich bis an die Grenzen belastet und ist nicht nur logistisch herausgefordert. Wird doch durch das enorme Spendenaufkommen aus aller Welt und aus allen Schichten der Gesellschaft deutlich: Wir sitzen alle im Boot
Erde. Schon morgen kann die Katastrophe andere erreichen, die heute nicht daran zu denken wagen. So führt uns das Leid zur Gemeinschaft und zur Solidarität. Es lässt die Völker dichter zusammen­rücken und viele spüren die Verantwortung an der Linderung mitzuarbeiten. Das rechtfertigt das Leid allemal nicht, obgleich es einen Zusammenhalt und ein persönliches Engagement hervorbringt, den ein anderes Ereignis in dieser Größenordnung seinesgleichen nicht verzeichnen kann. Die Interpretation und die Frage nach dem Sinn des Leides hat sich in der Menschheitsgeschichte immer wieder an solchen Ereignissen philosophisch und intellektuell abgearbeitet und ist nie zu einem akzeptablen Ergebnis gekommen. Gott gibt uns im Lebensschicksal seines Sohnes das solidarische Zeichen. Es wird genauso missverstanden wie es zum Anderen die unglaubliche solidarische Nähe mit allen Leidenden existentiell durchbuchstabiert - jenseits aller distanzierten intellektuellen Beurteilungen. Gott ist da. Er versteht sich als einen, der mitgeht, der dabei ist und durch seine Nähe seine Liebe zeigt. Sie ändert äußerlich zunächst nicht wesentlich die Situation. Innerlich aber ist diese Solidarität Abbild der Liebe und in jedem Helfer und jeder Helferin in der Not gegenwärtig. Jede Gabe, jedes Engagement, das sich vom Leid angerührt zur Solidarität bewegen lässt, ist eine Spur dieser lebensstiftenden Liebe.

Wir werden nach den Faschingsfeiern in die vorösterliche Bußzeit gehen, um die Sensibilität einzuüben, die uns zur Liebe führt. Unter der Überschrift „Nahrung des Lebens“ werden wir die Selbstverständlichkeiten der alltäglichen Nahrung sprechen lassen und einladen bewusst, sensibel, wertschätzend und dankbar einen neuen Umgang im persönlichen Leben mit der Schöpfung zu suchen. Dieser Weg der Bewusstwerdung und Nachhaltigkeit möge allen zum Segen werden, um die Zeichen der Auferstehung österlich zu erwarten.

Gruß und Segen Ihnen und Ihrer Familie dabei herzlich.

Ihr Pfarrer

 

 Bertram Tippelt



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