Das Gemeindeprofil schärfen

Erzbistum Berlin berät über Umstrukturierung der Seelsorge

Erwartet wird die „effektive Zusammenarbeit“ aller im Erzbistum.

BERLIN - Im Erzbistum Berlin wird über eine weitgehende Umstrukturierung der Seelsorge diskutiert. Generalvikar Ronald Rother hatte bereits im vergangenen Sommer angekündigt, über den Sanierungsplan von 2003 hinaus müsse der Bistumshaushalt bis 2009 um weitere 10 Millionen Euro verringert werden. Jetzt liegt ein Entwurf für den „Plan 2009“ mit dem Titel „Sanieren - Konzentrieren - Profilieren“ vor. Er soll bis zum Herbst dieses Jahres in den Gremien beraten werden. Mit dieser Vorgehensweise sollen die Fehler der zurückliegenden Sanierungsphase durch eine bessere Kommunikations- und Entscheidungskultur vermieden werden“, heißt es im Entwurf.

Für das laufende Jahr konnte das Erzbistum erstmals seit Jahren einen Etat ohne Neuverschuldung mit einem Volumen von rund 130 Millionen Euro vorlegen. Auf der Einnahmenseite sind für die nächsten Jahre aber weitere Einbußen in Sicht, die vor allem mit der demografischen Entwicklung zusammenhängen. Gespart werden muss besonders in den Bereichen, die nicht vom Staat oder von anderen Kostenträgern refinanziert werden. Der Entwurf sieht eine Umstrukturierung in den Kirchengemeinden und der so genannten Kategorialseelsorge vor. Damit sollen rund 160 weitere Stellen eingespart werden - nachdem bereits 417 Stellen gestrichen wurden.

Schwerpunktgemeinden

Das Papier konkretisiert die vor einem Jahr erschienenen „Pastoralen Leitlinien“, von Georg Kardinal Sterzinsky, in denen sich dieser vom Ansatz einer „flächendeckenden Seelsorge“ verabschiedete. Die nach dem Abschluss der Fusionen verbleibenden 107 Pfarreien sollen demnach enger zusammenarbeiten. In den Dekanaten werden Schwerpunktgemeinden eingerichtet, die im Sinne einer Arbeitsteilung Aufgaben wie Firmvorbereitung, Jugendarbeit, Ökumene, Krankenseelsorge oder Vernetzung im gesellschaftlichen Umfeld übernehmen.

Jede Gemeinde wird aufgefordert, ihr eigenes Profil zu entwickeln. Um die Gemeinden zu entlasten, sollen wichtige Verwaltungsaufgaben im Dekanat gebündelt werden. Der Entwurf nennt den „Kommunikations- und Büroservice“ sowie den „Gebäude- und Grundstücksservice“. Dafür sollen die „technischen Dienste“ - hauptamtliche Sekretärinnen, Hausmeister, Küster - entfallen und ehrenamtlich erfolgen. Ausgenommen von dieser Bestimmung werden die Kirchenmusiker. Für sie ist eine gesonderte Regelung angekündigt. Weniger stark soll das „pastorale Personal“ reduziert werden, also Pfarrer, Diakone, Gemeinde- und Pastoralreferenten. Eingespart werden sollen hier - auch durch Arbeitszeitkürzungen - rund 18 Stellen. „Es ist keinesfalls geplant, dass das pastorale Personal nur noch aus Klerikern besteht“, heißt es im Entwurf. Von den Mitarbeitern wird eine „effektive Zusammenarbeit“ erwartet. Zudem soll stärker nach der Qualität der Arbeit gefragt werden und das „Qualitätsmanagement“ künftig auch in der pastoralen Arbeit eine Rolle spielen. In Aussicht gestellt wird dafür eine „professionelle Begleitung“, wobei offen gelassen wird, ob dabei an eine externe oder eine interne Lösung gedacht ist.

Zielgruppenseelsorge

Die hauptamtliche kategoriale Seelsorge für Zielgruppen soll ebenfalls reduziert werden. Notfall-, Polizei- oder Künstlerseelsorge werden künftig im Nebenamt wahrgenommen. Die Seelsorge für die ausländischen Katholiken soll stärker mit den Ortsgemeinden verbunden werden. Während die Studentenseelsorge erhalten bleibt, soll die Akademikerseelsorge aufgegeben werden. Bestehen bleiben die Gefängnisseelsorge und die zusammen mit den Jesuiten getragenen Einrichtungen Katholische Glaubensinformation und Offene Tür Berlin. Für Erwachsenen- verbände wie die Katholische Arbeitnehmerbewegung „wird keine Personalfinanzierung übernommen“.

Norbert Zonker/sz




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