Liebe Gemeinde,

wie begegne ich Gott? Diese Frage wurde mir ernsthaft im letzten Monat unabhängig voneinander von zwei ungetauften Menschen gestellt. Zufall oder Methode? Für mich jedenfalls Anlass, mich selbst dieser Frage noch einmal neu zu stellen. Gott lässt sich mit unseren Sinnen nicht direkt wahrnehmen und so suche ich Spuren seiner Gegenwart und Ereignisse, die mir anzeigen, hier ist er, der Ursprung allen Lebens und das Ziel der Schöpfung.

Die Suche nach Gott ist so alt wie die Menschheit. Er ist das absolute Gegenüber des Menschen und ist uns doch so zutiefst inne. Das Gebet und Zwiegespräch mit Gott ist der Ort der Orientierung, des Trostes, der Wahrheit und der Selbstvergewisserung. So ist die Suche nach Gott auch immer die Suche nach sich selbst.

Der Prophet Elia sucht diesen Gott zu erkennen und wahrzunehmen. Das Titelbild unseres Gemeindebriefes stellt das Finden des göttlichen Geheimnisses durch den Propheten dar. Der Ort des Geschehens wird in der biblischen Darstellung zunächst in den äußeren Erscheinungen gesucht und findet am Ende aller Versuche in der Seele des Propheten statt. Dieses tiefste Innen des Menschen ist der Ort der Gottesbegegnung, der Ort der Transzendenz, der Übersteigung des Irdischen in die Sphäre des Göttlichen.

So vermag der Prophet das Säuseln des Windes als Vorübergang des Herrn, als Gegenwart
Gottes zu deuten. In der eindrucksvollen Bibelübersetzung von Fridolin Stier wird „das Säuseln des Windes“ als „verschwebendes Schweigen“ bezeichnet. Die im Windhauch schwebende Feder streichelt gerade die Herz-Seele des im transzendenten Weiß gehüllten Propheten. Er kann im Innersten seines Lebens die Begegnung mit Gott in der Verhüllung trotz der geöffneten Hand nicht greifen. In der Versunkenheit seiner Sinne und in der Gewalt der Zärtlichkeit erfährt Elia unwiderstehlich direkt und unmissverständlich dennoch jenseitig aller Wahrnehmung die Gegenwart Gottes. Im Schweigen der Schöpfung wird sie selbst zum Gebet und zur Anbetung. Darin findet die Gottesbegegnung ihren Dialog und die Kommunikation, die zum Gottesdienst für die Welt wird.

Die Bilder der Bibelworte, die den Propheten bei dieser innersten Begegnung umgeben, sind für mich Symbole für die Wirklichkeiten unserer Welt: Sturm und Beben, Feuer und Windhauch. So wünsche ich uns in den Stürmen und Erschütterungen unseres Lebens, die unmissverständliche Gewissheit des Propheten: Der Herr, unser liebender Vater Gott ist bei uns, umhüllt und schützt uns und führt uns zum Leben. Diesen Segen wünsche ich Ihnen und Ihrer ganzen Familie von Herzen  

Ihr Pfarrer

            Bertram Tippelt




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