Liebe Gemeinde,

 

in Berlin-Marzahn, einer der religionsfremden Wohngegenden unserer multireligiösen Stadt, befindet sich seit Mai diesen Jahres für die Besucher der Gärten der Welt der „Christliche Garten“. Golden leuchten die metallenen Buchstaben zum Himmel und geben dem aufmerksamen Besucher Worte der heiligen Schrift mit auf den Weg, der von den Landschaftsarchitekten Marianne Mommsen und Gero Heck nach dem Vorbild eines klösterlichem Wandelgangs gestaltet wurde. So gehe ich inmitten der ehemaligen sozialistischen, fernbeheizten Wohnungsplattensiedlung im Christlichen Garten und werde durch das Licht des Himmels zum Lesen der biblischen Texte animiert. Die goldenen Buchstabengitter umgeben mich links und rechts und oben wie ein schützender Schirm. Die Buchstaben werden zum Wort, die Worte zu Sätzen, die Sätze zu Liebesbotschaften Gottes an mich. Der himmlische Botschafter muss sie mir in Spiegelschrift aufschreiben, damit ich sie von der Erde aus richtig lesen kann. Der biblische Wandelgang bietet Schutz und Geborgenheit, Weite und Innigkeit, Raum und Zeit, Weisheit und Erkenntnis. Die Wahrheit, dass Gott mein Vater ist und dass sein Wille mein Glück bedeutet, beginne ich im ruhig gewordenen Atem zu spüren. In der Gartenwandelgangmeditation entsteht die ganze Welt, in der ich lebe, als Garten in mir. Meine Welt ist der mir von Gott geschenkte Garten. In ihm lebe und arbeite ich. Ihn gilt es zu gestalten und zu bewirtschaften, weil ich von ihm lebe. Meine ganze Nahrung und Energie, Erholung, Kraft und Lebensfreude schenkt er mir. Es ist der ständige Dialog mit der Natur, der sich in dieser kleinen Gartenmeditation spiegelt.

Wenn sie mit ihrer Familie und Freunden in diesen Tagen und Wochen den Sommer erleben, lassen sie sich vom Schöpfungsgarten anregen, das eigene Leben in Bitte, Lob und Dank neu vor Gott zu buchstabieren. Dabei lerne ich den Dank und Lobpreis des Schöpfers vom Gebet der Schöpfung. Im Blätterrauschen der Bäume im Wind, im Gezwitscher der Vögel des Himmels, in der stillen und duftenden Blütenpracht der Blumen, im Geplätscher des klaren Wassers des kleinen Baches nehme ich die Gebetssymphonie der Schöpfung auf und singe sie im Psalm 118 zum Himmel:

Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig.

Herzlich wünsche ich Ihnen, dass Sie in das Lob und Dankgebet der Schöpfung in dieser sommerlichen Zeit einstimmen können und darin den Segen unsers Gottes erfahren für sich und für alle die Ihnen verbunden sind.
Ihr Pfarrer

 

 

 

 

 

Bertram Tippelt

 

 




Show details for Alle Dokumente in dieser RubrikAlle Dokumente in dieser Rubrik