Liebe Gemeinde,

Jesus reitet in Jerusalem ein. Diese schlichte Prozessionsfigur wurde im 14. Jahrhundert durch die Straßen getragen und bejubelt: „Hosanna dem Sohne Davids.“ Die Menschen verehrten in dieser schlichten mit sehr liebevoll-menschlichen Zügen gestalteten Figur, das ganze Heilsgeschehen Gottes mit uns Menschen.
Als ich diese beeindruckend lebendige Figur im Bodemuseum zum ersten Mal sah, spürte ich die vielen Menschen, die in diesem Holz Trost und Leben fanden. Das Holz ist bis heute lebendig und erzählt die Geschichten der Menschen. Beim stillen Betrachten kann ich sie hören.

Christus reitet nicht als Held, nicht als Kämpfer, nicht als Herrscher, sondern als Liebender. Er kommt zu uns Menschen. Er nimmt uns mit.  Er besiegt den Tod und führt uns alle in die befreiende, erlösende Liebe Gottes. Dadurch wird er der König der Liebe. In der Liturgie der Heiligen Woche ist dieses Lebensgeheimnis der Mittelpunkt.

Wir sind auf dem guten Weg zum Osterfest. Das Misereor Hungertuch von Sokey Edorh aus Togo begleitet uns dabei und führt uns bildhaft das Weltgericht in mitten unserer Welt vor Augen. Unter uns geschieht das Leid, das Jesus erträgt. Der Kreuzweg ist eine Gegenwartserfahrung von Millionen von Menschen und wir leben da mitten drin. Das Hungertuch spricht vom Hunger und Durst der Menschen. Es zeigt die Obdachlosen und Fremden, die Entblößten und Kranken, die Gefangenen und das ganze Drama der Ungerechtigkeit inmitten unserer gegenwärtigen Welt. Der Künstler malt unsere Welt als das Weltgericht. Mittelalterliche Künstler haben dieses Thema als höllisches Horrorszenario dargestellt und machten den Menschen deutlich, wenn ihr euch nicht ändert, dann geht es Euch sehr schlecht im großen Maul des Feuer spuckenden Höllenschlunds. Die Darstellung vor unserer Altarwand zeichnet unsere Welt und jedem Betrachter wird klar, eine solche Welt muss verändert werden. Die Trennung zwischen Arm und Reich muss überwunden werden. Der Hunger und Durst muss gestillt werden. Die Kranken brauchen Zuwendung und Hilfe, die Fremden Heimat, die Analphabeten Bildung, die Gefangenen eine neue Chance und die Kinder eine Welt mit Zukunft. Jeder und Jede von uns kann dazu beitragen. Wer dies unterläßt versündigt sich und verhindert eine Welt mit Zukunft, denn dort wo Solidarität gezeigt wird, entsteht eine neue Lebendigkeit und Spuren der Liebe, die den Tod zu überwinden vermag, werden erfahrbar. Christ reitet zu uns in die Solidarität der Entrechteten, in den Tod und führt uns in die Auferstehung.

Wir können ihn entdecken in mitten unseres Lebens.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie die innige Begegnung mit dem Auferstandenen zum Osterfest von ganzem Herzen Ihr Pfarrer

 

 

 

 

 

 

Bertram Tippelt

 

 




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