Liebe Gemeinde,

das Tischtuch ist ausgebreitet. Die Tuchfalten markieren ein Kreuz. Eine weiße Scheibe erinnert mich an das Hostienbrot, das wir zur Feier der Heiligen Messe verwenden. Der erddunkle Grund wirkt bedrohlich. Unter der linken Tischtuchecke scheint ein Feuer zu wüten und links oben und unten rechts kriecht eine Schnecke. Für die Deutung des Motivs ist der Ps 23 angegeben:

 

Der Herr ist mein Hirte,
nichts wird mir fehlen. 

Er lässt mich lagern
auf grünen Auen und führt mich
zum Ruheplatz am Wasser. 

Er stillt mein Verlangen;
er leitet mich auf rechten Pfaden,
treu seinem Namen. 

Muss ich auch wandern
in finsterer Schlucht,
ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab
geben mir Zuversicht. 

Du deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl,
du füllst mir reichlich den Becher. 

Lauter Güte und Huld
werden mir folgen mein Leben lang,
und im Haus des Herrn
darf ich wohnen für lange Zeit.

 

Im Ps 58 findet sich das Wort von der Schnecke als Bild für die Feinde:

 

Sie sollen vergehen wie verrinnendes Wasser, wie Gras, das verwelkt auf dem Weg,

wie die Schnecke,
die sich auflöst in ihrem Schleim;.

 

Inmitten einer dunklen, Unheil drohenden Welt voller finsterer Schluchten und Feinde - so der Psalmist -  geleitet mich der gute Hirt. Er bereitet mir sogar den Tisch vor den Augen meiner Feinde.

Die Tischdecke des Titelbildes erinnert an das Altartuch auf dem wir die Gaben Brot und Wein während der Heiligen Messe darbringen. Die Gabenschale ist gefüllt mit den Gebeten und Gedanken, die der Gläubige am Beginn des Gottesdienstes mit der Brothostie in die Schale legt. Das Brot wird zum Gebet und durch die Berührung Gottes im Wort Jesu: “Das ist mein Leib“, nimmt Er sich unser an, wird selbst gegenwärtig und uns so im Brot  Nahrung des Lebens. Im Heiligen Geist können wir die laibgewordene Nähe Gottes im Glauben real erfahren als die tröstliche, stärkende und liebende Gegenwart Gottes in Jesus seinem Sohn. Gott selbst engagiert sich in diesem Mahl. Er bietet sich selbst als Weg zur Versöhnung an. In dieser reinen Liebe werden die Dunkelheiten und Feindschaften des Lebens aufgelöst und der Tod besiegt.

In der österlichen Bußzeit sind wir aufgerufen, unser Leben auf dieses österliche Geheimnis neu auszurichten. Dabei wünsche ich Ihnen, Ihrer Familie und unserer Gemeinde, dass wir Platz finden am Tisch, den der Herr uns deckt und zur Gemeinschaft der Versöhnung ruft.

 

Herzlich Ihr Pfarrer

                 

 

 

 Bertram Tippelt

 

 




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