Jugendgruppenleiter in der Heiligen Stadt

Ruhig, gelassen, verrückt, tolerant und mit einer Menge von Reiseführern und vorbereiteten (bzw. unvorbereiteten) Referaten, Koffern, (bzw. unvorbereiteten) Reisepässen trafen sich Jonas, Julia, Vio, Silvia, Claudius, Caro, Lukas und Arthur (eine zweite Gruppe folgte am Donnerstag)  am 30. April um 16:00 Uhr am Flughafen Schönefeld in der Easyjet-Wartehalle, um für ca. vier Tage Abschied von Berlin zu nehmen und die BVG mit ihrem Streik alleine zu lassen.

Für mich war es das erste Mal fliegen, ich dachte anfangs, ich würde Angst haben, aber sie blieb weg, obwohl ich zugeben muss, dass ich aufgeregt war und schon mal trockenere Hände hatte.

Die Sonne durchflutete die Sitzreihen und schien so stark, dass kaum einer sich traute, aus dem Fenster zu blicken, weil er Angst haben musste, zu erblinden, die Sonne schien immer schwächer und ihr Schein wurde während des Flugs von leichten Bewölkungen unterbrochen, so dass das Licht zu einem matt-orangenem Schimmer erblasste, der Himmel und Erde klar trennen wollte, bis die glitzernde Linie immer dünner wurde und dann gänzlich verschwand und der Geschäftsführer in der dritten Sitzreihe erkennen musste, dass das Lesen bei so schwachem Licht unvernünftig ist und das Lämpchen über seinem Kopf anschaltete. Jonas stimmte das Lied: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...“

an und da die Sonne nun endlich verschwunden war, konnte man das ruhig glauben, es sei denn, man ersehnte den Tag.

Es war 21:00 Uhr, wir sind in Rom angekommen, haben relativ schnell unser Gepäck größtenteils unbeschadet wiederbekommen und warten nun auf unseren Bus, der uns zur Endstation einer U- Bahnlinie fahren soll. Der Bus kommt um 21:20 Uhr. Bis dahin tanzen, reden, schweigen wir und lehnen uns müde an den Rücken des anderen, der unbequem auf seinem Gepäck sitzt; Jonas spielt auf seiner Maultrommel.

Wir sitzen im Bus, essen Kekse und unsere mitgebrachten Stullen, unterhalten uns, sind schon aufgeregt auf diese Stadt, merken aber, dass das „Rom-feeling“ noch fehlt, später aber einsehen werden, dass Rom eine Stadt ist, wo der eine Stadtteil lebt, laut, klebrig und bedeckt von einer Masse von Touristen ist, zu der wir zwar auch gehören, jedoch versuchen ihr möglichst auszuweichen, und der andere Stadtteil stirbt.

Wir sind in „Cinecitta“, der Stadtteil, in dem Fellini und Antonioni ihre großen Filme drehten, in dem Stadtteil, der das Hollywood Europas werden sollte und in dessen Studios heute billige Werbespots für einen von Berlusconis 99 TV- Sendern gedreht werden und Berlusconi selber wahrscheinlich vor der Kamera vom „Wunder des starken Italiens“ faselt, während das Gras immer höher wächst und ein sinnloses Einkaufszentrum gebaut wurde, das die Bewohner des Stadtteils sich wahrscheinlich nicht leisten können und das zu weit vom Zentrum gelegen ist, um profitabel zu sein. Ein Bezirk, in dessen warmgelben Licht der Straßenlaternen die Schmierereien von faschistischen Straßenbanden glänzen und die Werbeplakate der kommunistischen Partei Italiens deutlich erkennbar sind. Man möchte am liebsten eine Flinte nehmen und die Straßenlaternen auslöschen, um die Symbole an der Wand nicht zu sehen, aber egal wie oft man treffen würde, dass Glas würde nicht zerspringen, es ist zu stark und außerdem wäre es dann dunkel und wir würden den Weg nicht finden. Es ist dreckig und überall liegt Müll herum. Wir laufen erst in die falsche Richtung, bis uns ein mittelgroßer Mann ruft, um uns zu unserem Schlafplatz zu bringen.

Die Pfarrei liegt inmitten von einem Gebäudekomplex, ist Teil von ihm. Der Raum, in dem wir schlafen sollten, muss mit einem Schlüssel von seinen Rollläden befreit werden. Das Geräusch, das dabei entstand, erinnerte an das müde Lächeln eines Gemüsehändlers, der früh morgens seine Arbeit aufnimmt. Wir betreten den Raum, der ungefähr so groß (vielleicht etwas kleiner) ist, wie der hintere große Raum im Untergeschoss unserer Kirche, kuscheln uns und unser Gepäck in eine gemütliche Ecke, überprüfen die Sanitäranlagen, machen uns darüber lustig, dass man vorhatte, uns getrennt schlafen zu lassen, haben unsere kleinen Zweifel und Sorgen, die wir zurücklassen, da wir von Pater ??? zum Essen eingeladen werden. Wir erfahren dort, dass Liverpool verloren hat (3:0 für Chelsea? Ich weiß es nicht mehr), trinken niederländisches Bier und essen überdimensionale Pizzen, die kaum jemand fähig ist, aufzuessen, wir sitzen neben einer italienischen Familie, die sich zum Abendessen getroffen hat, sitzen gegenüber zwei Jungen, die Yugi-Oh- Karten spielen. Wir verlassen das Lokal wieder, machen unsere Betten und schlafen so gegen 23:30 ein, wachen spätesten wieder um 1 Uhr auf, weil es uns zu kalt ist, oder der Boden zu hart, wir können uns trotzdem nicht beklagen, haben schon Schlimmeres erlebt.

Es ist Morgen und es ist schon so warm, dass man draußen nackt duschen könnte, man befände sich nur mitten auf der Straße, la Strada.  (Teil 1 von 5)

 

Arthur Romanowski

Weiteres lesen Sie bitte auf unserer

Homepage nach

 




Show details for Alle Dokumente in dieser RubrikAlle Dokumente in dieser Rubrik