Liebe Gemeinde.

1996 schenkte die Gemeinde St. Martin, Berlin-Reinickendorf ihrem damals in den Ruhestand wechselnden Pfarrer Bernhard Obst eine Gemeindereise nach Israel. Auf diese Weise konnte ich als Kaplan in das Heilige Land pilgern. Viele unvergessliche Erlebnisse und Orte verbinden sich seitdem mit den Texten der Heiligen Schrift. Am Ölberg in Jerusalem durfte ich in der Paternosterkirche im Kreuzgang 140 Sprachen des Gebetes des Herrn betrachten. Der Anblick, der auf Keramik gemalten Sprachen des Vater unsers, hinterließ bis heute bei mir ein Gefühl von tiefer Verbundenheit der verschiedenen Völker und Sprachen, die sich im Beten des Vater unsers vereinen. Nicht nur die gegenwärtigen verschiedenen Sprachen und Kulturen sind in dem einen Gebet beieinander, sondern das Band des Gebetes zieht sich quer durch die Geschichte bis in die Zukunft, in die Hand Gottes, unseres Vaters. In ihm wird die Zeit Ewigkeit und in seiner väterlichen Liebe werden wir eins. Sein Reich, seine Nähe, das Ziel aller Schöpfung ist in Ihm da und die Zeit löst sich auf. Alle Not und Unvollkommenheit finden in Ihm die Vollendung und Versöhnung. Im Anblick dieser nicht enden wollenden Gebetskette sind die Situationen spürbar, in denen Menschen „Vater unser“ beten: Das unsagbare Leid, alle Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung der Welt, aber auch alle Freude und alle Dankbarkeit, alle Versöhnung und Liebe sind in dieses Gebet gesprochen, geschrieen, gesungen und geflüstert worden. Seit 2000 Jahren haben Menschen sich beim Sprechen dieser Worte in die Gebetsschule Jesu begeben und Trost und Heil erfahren.

Es ist mein erstes Gebet am Morgen und mein letztes Gebet zur Nacht. Am Tag begleitet es mich im Auto und in der U-Bahn, beim Spaziergang und bei der Arbeit. Es ist wie die Luft zum Atmen. Es umgibt mich und die gesprochenen und gedachten Worte machen mir deutlich, ich bin eingehüllt mit meinem ganzen Lebensalltag in die Gegenwart des liebevollen Vaters.

Lassen Sie sich vom Vater unser tragen und begleiten. Spüren Sie die wohltuende Nähe unseres Gottes in diesen Worten. Sprechen Sie es in Ihrer Muttersprache und fühlen Sie die Gegenwart Gottes in Ihrem Beten. Jesus ruft uns dazu auf, so zu beten und unsere Welt im Gebet zu tragen.

Wissen Sie sich und Ihre Familie auf diese Weise dankbar und froh in  der Gegenwart Gottes gehalten, begleitet und beschützt. Dieser Segen möge Sie spürbar stärken und stützen. In diesem Sinne grüße ich Sie und Ihre Familie

Herzlich Ihr  Pfarrer

 

 




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