Liebe Gemeinde

Juli August 2011

Liebe Gemeinde,

in Liebe Gemeinde, in Berlin-Marzahn, einer der religionsfremden Wohngegenden unserer multireligiösen Stadt, befindet sich seit Mai diesen Jahres für die Besucher der Gärten der Welt der „Christliche Garten“. Golden leuchten die metallenen Buchstaben zum Himmel und geben dem aufmerksamen Besucher Worte der heiligen Schrift mit auf den Weg, der von den Landschaftsarchitekten Marianne Mommsen und Gero Heck nach dem Vorbild eines klösterlichen Wandelgangs gestaltet wurde. So gehe ich inmitten der ehemaligen sozialistischen, fernbeheizten Wohnungsplattensiedlung im Christlichen Garten und werde durch das Licht des Himmels zum Lesen der biblischen Texte animiert. Die goldenen Buchstabengitter umgeben mich links und rechts und oben wie ein schützender Schirm. Die Buchstaben werden zum Wort, die Worte zu Sätzen, die Sätze zu Liebesbotschaften Gottes an mich. Der himmlische Botschafter muss sie mir in Spiegelschrift aufschreiben, damit ich sie von der Erde aus richtig lesen kann. Der biblische Wandelgang bietet Schutz und Geborgenheit, Weite und Innigkeit, Raum und Zeit, Weisheit und Erkenntnis. Die Wahrheit, dass Gott mein Vater ist und dass sein Wille mein Glück bedeutet, beginne ich im ruhig gewordenen Atem zu spüren. In der Gartenwandelgangmeditation entsteht die ganze Welt, in der ich lebe, als Garten in mir. Meine Welt ist der mir von Gott geschenkte Garten. In ihm lebe und arbeite ich. Ihn gilt es zu gestalten und zu bewirtschaften, weil ich von ihm lebe. Meine ganze Nahrung und Energie, Erholung, Kraft und Lebensfreude schenkt er mir. Es ist der ständige Dialog mit der Natur, der sich in dieser kleinen Gartenmeditation spiegelt.

Wenn sie mit ihrer Familie und Freunden in diesen Tagen und Wochen den Sommer erleben, lassen sie sich vom Schöpfungsgarten anregen, das eigene Leben in Bitte, Lob und Dank neu vor Gott zu buchstabieren. Dabei lerne ich den Dank und Lobpreis des Schöpfers vom Gebet der Schöpfung. Im Blätterrauschen der Bäume im Wind, im Gezwitscher der Vögel des Himmels, in der stillen und duftenden Blütenpracht der Blumen, im Geplätscher des klaren Wassers des kleinen Baches nehme ich die Gebetssymphonie der Schöpfung auf und singe sie im Psalm 118 zum Himmel:

Danket dem Herrn, denn er ist gütig,

denn seine Huld währt ewig.

Herzlich wünsche ich Ihnen, dass Sie in das Lob und Dankgebet der Schöpfung in dieser sommerlichen Zeit einstimmen können und darin den Segen unsers Gottes erfahren für sich und für alle die Ihnen verbunden sind.

Ihr Pfarrer

 

 

Juni 2011

Liebe Gemeinde

im Mai 1999 schuf der amerikanische Bildhauer Jonathan Borofsky die Moleculman-Skulptur auf der Spree. Die Stadtbezirksgrenzenkommunikation, das Miteinander der Menschen und das ineinander und aufeinander Verwiesensein, die Eigenständigkeit und Gemeinschaft kommunizieren miteinander.

Immer wenn ich dieser Skulptur begegne, muss ich an das Geheimnis der Dreifaltigkeit denken. Die komplexen theologischen Gedanken beginnen spontan ihre Bewegung. Alles ist miteinander auf wundersame Weise durch seine Eigenständigkeit verbunden. Unser ganzes Leben ist davon durchdrungen. Abbilder und Chiffren davon begegnen dem aufmerksamen Beobachter auf Schritt und Tritt. Gott hat in sich diese Struktur des Lebendigen. Er hat sie uns seinem Abbild eingepflanzt. Jeden Tag beginne und beende ich mit dem Kreuzzeichen und spreche dieses Geheimnis des Dreifaltigen Gottes aus und über mein Leben. So wird mir bewusst, dass ich in diesem Geheimnis lebe. Die Bewegung der Liebe im Heiligen Geist erreicht meinen konkreten Alltag. Das Leben wird zur ständigen Kommunikation mit dem Nächsten, der Natur, mit Gott und mit mir selbst.

So führt uns das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit, das wir am Sonntag nach Pfingsten feiern, mitten in unseren Alltag. Wir sind umgeben und gehalten in diesem dreifaltigen Gott. Wir gehen aufeinander zu, überwinden innere und äußere Grenzen, werden eins, verstehen einander, leben miteinander und gestalten Gemeinschaft.

Im Juni entfaltet die Liturgie in den verschiedenen Festen sehr volkstümlich diese Lebensbewegung. Unser Leben wird am Himmelfahrtstag in den Himmel gezogen. Diese Sehnsucht bestimmt unser Fühlen und Streben. Mit den Aposteln schauen wir, auf unserer Erde stehend, sehnsuchtsvoll in den Himmel und erwarten das Heil für Leib und Seele. Im Pfingstfest feiern wir den Heiligen Geist. Er, der Lebensatem, belebt sehnsuchtsvoll alles Sein Ökumenisch beten und leben wir Einheit und Gemeinschaft. Am Dreifaltigkeitssonntag sind wir in der göttlichen Lebensbewegung geborgen und am Fronleichnamstag verehren wir die Leibwerdung Gottes in unsere Welt hinein im Brot des Lebens, Jesus Christus. Unser Leben ist in der Tiefe Gottes geborgen und gehalten, geliebt und zutiefst zu Hause.

Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich diese Geborgenheit. Sie ist der Segen, den die Welt nicht geben kann. Möge er Sie erreichen wie die Sonnenstrahlen des werdenden Sommers ihr Herz berühren.

Herzlich Ihr Pfarrer

Bertram Tippelt

Gern stellen wir den Kontakt zu den Gruppenleitern und Vorständen her.

(Unser Pfarrbüro Tel. 66 79 01 0)

Attachment - Moleculman


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