Da gingen ihnen die Augen auf,

und sie erkannten Ihn

Sie gehen nach Hause und sprechen über all das, was sich ereignet hatte. Sie suchen nach einer Erklärung. Aber es war zuviel. Die hinterhältige Festnahme, das Hin und Her mit der Zuständigkeit der richtigen Behörde, das ungerechte Urteil, die Grausamkeit von Spott und Verhöhnung, die vielen Schläge, die Geißelung, der unerträgliche Weg aus der Stadt bis auf den Berg Golgatha, die Kreuzigung, das stundenlange Sterben bis der Tod endlich kam. Das Schlimmste aber ist die zerstörte Hoffnung. Sie hatten doch so gehofft. Jetzt ist alles aus und vorbei.

So wird millionenfach das Unfassbare im Leben erzählt. Mit dem mir vertrauten Menschen spreche ich das, was sich ereignet hat immer wieder durch. Ich erzähle es dem Geliebten, der Lebenspartnerin, Freunden, dem Arzt, den Psychologen. Alle Details trage ich wieder und wieder zusammen. Die Grausamkeit muss aus der Seele, sonst ist ein Atmen nicht mehr möglich. Die Therapie beginnt.

Die zerstörte Hoffnung von Menschen ist bis heute unzählbar. Das zusammengetragene Leid will einfach keinen Sinn finden. Und doch suchen wir nach den Gründen. Wir suchen den Sinn, eine Erklärung. Alle Details sind uns bekannt. Aber das Lebenspuzzel will sich einfach nicht zusammensetzen lassen. Ob wir es je begreifen?

Ich frage mich: warum erkennen die Emmausjünger den Auferstandenen nicht? Er geht doch mit ihnen. Er tut so, als ob er keine Ahnung hat und erschließt ihnen den Sinn des Lebens. Sie bitten ihn sogar: Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich schon geneigt.

Aber warum sind Ihre Augen gehalten? Warum erkennen sie ihn nicht? Es fehlt die Erkenntnis. Der Verstand ist zu klein. Die Phantasie tot.

Allein sie fühlen: einen wundersamen Schmerz. Das Herz es ist bewegt. Es brennt. Es gibt ein Licht ganz tief innen.

Er bricht das Brot. Er ist es. Seine Liebe bricht mein Leben in die Ewigkeit auf. Ich sehe mit der Seele die lebendige Wirklichkeit des Himmels. Der Tod ist besiegt. Der Sinn gefunden. Das Leben lebt.

Eine neue Perspektive meines Lebens hat begonnen. Das bisherige war zu kurz gedacht, zu eng, zu ängstlich, im Tod gefangen.

Der mich liebende Gott geht mit mir mit, durch dick und dünn, durch Freude und Leid. Er ist die ganze Zeit dabei. Mein ganzes Leben ist begleitet, geliebt und in die Ewigkeit Gottes eingebettet.

Es ist unglaublich. Die Ewigkeit hat begonnen mit meinem in die Welt kommen. Und ich habe es nicht gemerkt. Ich war wie mit Blindheit geschlagen. Wie konnte ich diese mich tragende und liebende Wirklichkeit nicht finden?

Lesen sie diese Geschichte im 24. Kapitel des Lukasevangeliums. Gehen Sie den Weg der Jünger Jesu mit. Betrachten Sie den Weg nach  Emmaus als Ihren Lebensweg. Laden Sie den Herrn ein in Ihr Haus, in ihr Herz, ihre Seele: Bleibe bei mir Herr, den es will Abend werden und der Tag hat sich schon geneigt.

Und Sie werden spüren: wie ihnen die Augen aufgehen.

Bertram Tippelt, Pfr.




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