Aus dem Kirchenvorstand

Chronik eines Küchenprojektes

 

Vielleicht ist auch Ihnen ein Faltblatt des Bonifatiuswerkes in die Finger gekommen und Sie haben sich gefragt, wie St. Dominicus in Zeiten, wo alle im Bistum von tiefen Einschnitten reden, so viel Geld ausgeben kann. Geht es den Kindern in St. Dominicus oder in der Gropiusstadt wirklich schon so schlecht?

 

Die Antwort darauf fällt nicht ganz leicht. Einerseits zeigt der Sozialatlas Berlins, dass sich die Gropiusstadt zu einem sozialen Brennpunkt entwickelt. Wir als Gemeinde haben uns für Offenheit und ein Miteinander über kulturelle und soziale Grenzen hin entschieden. Andererseits ist es gerade für berufstätige Eltern praktisch, wenn sie einen Ort wissen, an dem ihr Kind eine warme Mahlzeit in vertrauter Umgebung bekommen kann.

 

Aber unsere neue Küche hat eigentlich eine längere Geschichte:

 

Am Anfang stand ein Senatsentscheid, dessen Tragweite wahrscheinlich Niemandem bewusst war. Der Hortbetrieb sollte von den Kindertagesstätten an die Schulen verlagert werden. Die Schulen sollten sich dazu Kooperationspartner suchen. Dazu lud die Schulleiterin Fr. König-Ciesielski alle katholischen Gemeinden zu der Frage ein, welche Gemeinde ihren Hort weiterführen oder ausbauen würde. Zunächst konnte sich keine katholische Gemeinde entscheiden, einen Hort einzurichten. Die St. Marien-Grundschule fand zunächst im evangelischen Haus der Mitte für 50 Kinder einen Kooperationspartner. Von nun an wurden die neu eingeschulten Kinder in den Schulhort aufgenommen, der Hort in den Kitas wurde - politisch gewollt und erzwungen - zum Auslaufmodell. Folgerichtig hat unsere Kita im Juni 2006 mit etwas Wehmut die letzten Hortkinder verabschiedet. Da mit jedem neuen Schuljahr mehr Kinder in den Schul-Hort kamen, reichten die Plätze im Haus der Mitte nicht mehr aus.

Angesteckt von der Vision unseres Pfarrers über ein katholisches Zentrum in der Gropiusstadt oder auch nur nüchtern als Angebot und Hilfestellung für Kinder und Eltern aus der St. Marien-Grundschule, beschlossen PGR und KV die Weiterführung des Hortes St. Dominicus in enger Kooperation mit unserer Kita unter den veränderten Rahmenbedingungen. Mit einer Gruppe startete unser Hort in Räumen der Schule im Schuljahr 2006/07.

Die ungewisse Finanzierung (zu diesem Zeitpunkt konnte uns eigentlich niemand sagen, wie viel vom Betreuungssatz wirklich bei uns ankommt) und die sehr geringe Erzieherstundenzahl lösten im Kita-Team doch einige Befürchtungen aus. Auf unsere Gemeinde und Kita kamen mit dem neuen Hort in der Schule einschneidende Änderungen zu.

Das erste Hortjahr war noch nicht zu Ende, da kündigte der Evangelische Kirchenkreis die Schließung des Haus der Mitte an.

 

Kann St. Dominicus die zusätzlichen Kinder übernehmen? Wie sollte das funktionieren?

 

Wo sollen die zusätzlichen Gruppen untergebracht werden? Unsere Kita-Küche ist für maximal 100 Portionen ausgelegt.

 

Nimmt uns der KV nun auch noch die Küche weg, obwohl die ökologische Vollwertkost ein wesentlicher Bestandteil unserer Kita-Konzeption ist?

 

Eigentlich war allen klar, dass diese Aufgabe nach nur einem halben Jahr Hort-Erfahrung kaum zu schaffen ist; und wenn, das Gemeindeleben beeinträchtigen wird und mit Mehrbelastung durch zwei Standorte auf dem Rücken der ErzieherInnen ausgetragen wird. Auf dem Klausurwochenende Anfang 2007 von PGR und KV in Bad Saarow war folgerichtig die Schulleitung und die Kita-Leitung mit eingeladen, und es kam das gesamte Kita-Team! Wir lernten viel

voneinander und beschlossen, die Herausforderung anzunehmen. Eine Voraussetzung dafür war am Ende allen klar: Wir brauchen einen Küchenneubau, so oder so, und wir alle wollen die biologische Vollwertkost, frisch zubereitet aus der eigenen Küche. Wir brauchen neue Räume für den Hort, die Gemeinde muss auf den Clubraum verzichten und die Nutzung des Pfarrsaales wird eingeschränkt.

 
Zeichnung Kita

 

Kann das gelingen, gerade in Zeiten leerer Kassen? Woher soll das Geld für einen Neubau der Küche kommen?

 

So langsam lernten wir, dass die Hort-Finanzierung doch einigen Spielraum lässt, gerade wenn die Kinder in eigenen Räumen untergebracht werden. Hieraus lässt sich eine Finanzierung aufstellen, zusammen mit Sponsorengeldern und Zuwendungen von EBO und Caritas. Wir sind dankbar, dass uns das Bonifatiuswerk eine Zusage über 80.000 EUR gibt, da dieses Projekt gut zu den Zielen des Bonifatiuswerkes passt.

Die neue Küche wird teurer, als wir zu Anfang gedacht haben. Die Finanzierung wird länger dauern, aber wir können nicht mehr zurück und sind uns mit dem Generalvikar in dieser Frage einig. Die neue Küche wird eine Kapazität von ca. 350 Essen täglich haben.

Unser Pfarrer entwickelt die Vision einer Schulspeisung und der Zubereitung des Essens für umliegende katholische Kitas und Schulen des EBO. Wir begrüßen dieses soziale Engagement und schütteln ungläubig den Kopf: Wir können solch ein Projekt nicht alleine stemmen, jedenfalls jetzt nicht, solange die neue Küche nicht fertig ist und der Betrieb läuft, zeichnet sich die Tendenz im KV ab. Die Tagesordnung verlangt aber (noch) keinen Beschluss von uns.

 

Da flattert uns die nächste Anfrage ins Haus:

 

Die „Malteser“ möchten ein Sozialprojekt in der Gropiusstadt ins Leben rufen, professionell geleitet, mit warmen Essen, Hausaufgabenhilfe und sozialer Betreuung. Der Bezug zum geistlichen Zentrum St. Dominicus ist erwünscht. Ist ein Ausbildungsprojekt mit unserer neuen Küche möglich?

Wir stehen (schon wieder) vor einer neuen Herausforderung!

Und bevor ich es vergesse: Dank unseres engagierten Kita/Hort-Teams läuft der Hortbetrieb inzwischen fast wie selbstverständlich, mit frischem Essen aus der (alten) Kita-Küche, die aus allen Nähten platzt. Herzlichen Dank dafür!

 

Matthias Blach (Mitglied des

Kirchenvorstandes und der AG Hort/Kita

Matthias Bach
 




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