Liebe Gemeinde,

der Rufer vom Titelblatt des Gemeindebriefes steht in der Straße des 17. Juni im Stadtbezirk Tiergarten. Der drei Meter hohe Nachguss der Plastik von Gerhard Marcks (1889 - 1981) ruft in Richtung Brandenburger Tor nach Frieden. Ursprünglich war diese Skulptur für Radio Bremen als Verkörperung der Meinungsfreiheit angefertigt worden. In Berlin und für mein theologisches Empfinden ist es der Prophet, der mit großer Leidenschaft nach Frieden und Freiheit ruft.

Ich sehe in dieser prophetischen Darstellung den ganzen Prozess der gesellschaftlichen Umbrüche des Zusammenfalls der sozialistischen Diktaturen symbolisiert und in eine einfache Klarheit gestaltet. Der Ruf kommt aus der Tiefe der Seele und aus dem Schmerz der seelischen Verletzungen durch Unrechtssysteme, die dem Menschen die Freiheit und Würde rauben. Dieser Ruf nach Freiheit und Frieden, nach Gerechtigkeit und Liebe hat eine Kraft entwickelt, die wir in unserem Land am 3. Oktober politisch feiern.

Damit ist für mich die Botschaft jedoch nicht zu Ende. Der Ruf gilt weiter auch heute bis in die Veränderungen der nordafrikanischen Staaten und erfordert eine große Aufmerksamkeit. Der Ruf nach Freiheit und Frieden hat auch in der gewonnenen Freiheit des veränderten Europas seine Berechtigung und Kraft nicht verloren. Die Gefahr unfrei zu werden und gesellschaftlich Strukturen zu schaffen, die Ungerechtigkeit und Gewalt hervorbringen, ist groß. Mit gutem Willen allein ist das nicht zu machen. Für unser Tun und Denken müssen wir verantwortlich nach den Motiven und Wirkungen fragen. Unser Papst Benedikt hat in seiner rechtsphilosophischen Rede vor dem Bundestag deutlich gemacht, dass der Mensch, der höheren Instanz dringend bedarf, vor der sich alle Menschen zu verantworten haben und damit die Würde des Menschen begründet, die letztlich allein in Gott zu finden ist. Das hörende Herz allein vermag das rechte Handeln zu erkennen und mit großer Kraft in die Tat umzusetzen. Möge unser Tun und Denken in dieser Weise frei werden und kraftvoll die Welt verändern, sie gerechter, friedlicher, liebevoller und barmherziger machen. Darin werden wir dankbar unser Glück finden. Es wird uns beflügeln und Spuren des Reiches Gottes sichtbar machen, nach denen wir Menschen uns im Innersten sehnen.

So wünsche ich Ihnen, Ihrer Familie und allen Menschen mit denen Sie zusammenkommen, die Sehnsucht nach Frieden zu spüren und sie in der Freiheit der Kinder Gottes ins Leben zu rufen.

Herzlich Ihr Pfarrer

                           Bertram Tippelt




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