Liebe Gemeinde,

bei sommerlichen Temperaturen sitze ich früh am Morgen unter dem Sonnenschirm im Garten und schreibe Ihnen ein geistliches Wort.

An der Gartenmauer in meinem direkten Blickkontakt steht der Grill umwuchert von Gräsern und Wein. Seit einigen Jahren dient er als Nest für die Meisen, die sich im Edelstahlfuß vor den beiden Einstiegslöchern mit Sitzstange ihr Luxusnest gebaut haben. Auf diese Weise hat der Grill eine eigenartige Wertsteigerung erfahren. Aus dem Hausgrill ist eine Wohnung geworden, die Leben beherbergt und schützt. Mit einem sicheren Instinkt kommen alljährlich die Meisen in den Garten zum Grilledelstahlstandfußnest mit Lüftungslochdoppeleingang und lassen ihre Jungen ins Leben schlüpfen.

Sie führen mir in einer nicht enden wollenden Lektion vor, wie die Schöpfung selbst mit den ihr unbekannten Gegebenheiten umgeht, um sie dem Leben nutzbar zu machen. Selbst das, was sich der Mensch ausgedacht hat, wird kreativ zum lebenstiftendem Objekt.

Das ist ein gutes Bild für die Richtung einer wertschöpfenden Innovation. Hier kann der Mensch für  die Art seines Handelns viel lernen. Viel zu oft ist die hochtechnisiert eingebrachte Entwicklungsleistung des Menschen mehr geeignet, Leben zu zerstören als dem Leben zu dienen. Die im Golf von Mexiko vom Menschen angerichtete Katastrophe ist ein dunkles Beispiel für die vom Menschen zu verantwortende Selbstüberschätzung mit unabsehbaren Folgen für viele Generationen.

Die Entwicklungen im Bereich der zivilen Nutzung der atomaren Forschung und der unverantwortlichen Kriegstechnologien in diesem Zusammenhang zeichnen ein noch dunkleres Bild der zerstörerischen Möglichkeiten menschlicher Erfindungskunst.

Meine Meisen im Garten machen das instinktiv anders. Durch ihr mutiges Arrangement mit dem Unbekannten schaffen sie neue Orte der Lebendigkeit. Das ist nur eine kleine Spur für die lebenstiftende Kreativität im Schöpfungsgefüge.

Schauen Sie in Ihre Umgebung und gehen Sie in diesen sommerlichen Wochen auf Entdeckungsreise. Es gibt so viele ermutigende Zeichen, dem Leben Raum zu geben. Dabei bekomme ich Mut, ebenfalls kreativ zu werden und Orte des Lebens zu erschließen. So malt Gottes Schöpferliebe ein Bild in meine Seele und ich staune über seine wunderschöne Welt.

Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich eine tiefe Freude an der Schöpfung, ihrer Lebensvielfalt und Fantasie. Schöpfen Sie daraus neue Kraft und erholen Sie sich gut.

Herzlich Ihr

 

 

 

 

 

 

Pfarrer Bertram Tippelt

 

 

 




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