Liebe Gemeinde,

es ist wieder Frühling. Der Mai ruft zum Marienlob. Mit der Gottesmutter erfreuen wir uns am aufbrechendem Leben. Ihr Mut, zum Leben Ja zu sagen, führt zur Menschwerdung Gottes. Deshalb ist sie ein Bild für die Kirche geworden. Es ist unsere Aufgabe, als Christen zum Leben Ja zu sagen und so Gott Mensch werden zu lassen.

Die Kirche soll dazu ein erstrebenswertes Muster sein: Liebe wird Leben, Gott wird Mensch.

Wir müssen schmerzhaft zur Kenntnis nehmen, dass dieses Geheimnis in der Kirche selbst auf unglaubliche Weise verdunkelt wurde. Die in den letzten Monaten bekannt gewordenen Verbrechen in der Kirche schockieren und beschämen mich. Die ohnmächtigen Schmerzen Marias, die ihren gepeinigten und zu Tode gefolterten Sohn beweinen, können in dieser Hinsicht ein Bild für den Zustand sein, der inmitten unserer Kirche entstanden ist. Der Umgang mit der Wahrheit, mit Reue, Schuld und Vergebung muss neu eingeübt werden, damit ein versöhntes Leben möglich wird.

Wie kam Maria aus ihrer Schock­situation heraus? Sie ging zum Ort des Geschehens. Sie verschloss nicht die Augen. Sie hielt aus, schaute nicht weg und schrie ihren Schmerz heraus. Im Kreis der Jünger hielten sie gemeinsam Mahl und sprachen immer wieder über das Geschehene. Sie gingen sogar ins Grab hinein, um zu begreifen, was geschehen war. Ihre Seele war so erschüttert, dass sie Erscheinungen hatten, Stimmen hörten und dem Wahnsinn nahe waren. Sie begegneten inmitten des Todes dem Leben der Ewigkeit. In diesem Licht des Geistes Gottes erwächst die Kraft zum Neubeginn in Galiläa, Jerusalem und letztlich allerorts, wo wir dem Geist Gottes Raum geben. Im eigenen Herzen beginnt es. Gebe ich dem Heiligen Geist Raum in meinem Herzen, gelange ich zur Seele. Es ist der Begegnungssort Gottes in mir. Eine neue Sicht des Lebens kann beginnen.

Das Pfingstereignis ist der Schlüssel zur Kirche. Nur im Geist Christi können wir Kirche sein. Alles, was uns von dieser lebensstiftenden Liebe abhält, tut dem eigenen Leben und dem der Kirche nicht gut.

Dort, wo der Herr mit uns ist, können wir ihn im Heiligen Geist in unsere Welt tragen. Gottes Liebe wird Mensch und durch uns greifbar. In diesem Sinn sind auch Sie voll der Gnade, voll der Nähe Gottes, weil der Herr mit uns ist. Mir tut es gut dies zu wissen. So kann ich manchmal spüren, von der Liebe Gottes getragen zu sein, damit ich sie weitergeben darf. Tun wir es.
Es macht die Welt LIEBE-VOLL.

 

Herzlich Ihr Pfarrer

 

 

Bertram Tippelt

 

 




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