den ausgemachten Treffpunkt zu erreichen, fiel mir nicht leicht. Die Zeit war knapp geworden, weil noch einiges zu erledigen war. Tausende waren unterwegs. Die Absprache mit meinem Cousin Karsten aus Mecklenburg-Vorpommern war 18.00 Uhr vor der Kathedrale. Ein Handy gab es noch nicht. Angeschwitzt hetzte ich leicht verspätet auf die Stufen vor dem Eingangsportal und schaute mich um. Wir entdeckten uns. Herzliche Begrüßung und wir machten uns auf den Weg. Zwischen den vielen Menschen waren Absperrungen aufgebaut. Die Polizei ließ nur noch wenige durch. Wir beeilten uns. Hinter uns wurde das letzte Zaunfeld verschlossen. Ob wir es geschafft hatten? Die Menschen drängten sich dichter. Die Polizei jetzt mit Helm und Schutzschild in langen Reihen. Sollten wir zurückgehen? Keineswegs. Wir wollten dabei sein und gingen durch die immer dichter stehenden Menschen hindurch. Da standen wir nach gut einer Stunde an dem symbolträchtigen Ort. Nur noch mehrere Ringe von Polizeibeamten im Kampfanzug galt es zu überwinden. Im Rucksack das Mecklenburger Pausenbrot und eine Flasche Sekt: Bestechungsversuch - Fehlanzeige. Aber der mecklenburger Dialekt traf auf rheinische und sächsische Mundart und wir durften für einen kurzen Moment unsere Handflächen an den Fahnenmast halten, der vor dem Reichstag die große Deutsche Fahne trug, die zum Höhepunkt der Feier gehisst worden war. Wir sind ein Volk und wieder ein Land. In dieser Berührung mit dem Symbol des Staates und die polizeilichen Umstände, die es wider allem Erwarten ermöglichten, das Ding zu berühren, manifestierte sich für mich vor 20 Jahren die Wende. Ein Geschenk des Himmels dachte ich. Frieden und Freiheit sind durch brennende Kerzen und eine unstillbare Sehnsucht möglich. Uns kamen die Tränen und das Mecklenburger Pausenbrot wurde mit dem Sekt zum unvergesslichen Festmahl.

Es ist für mich ein Wunder, dass Weltgeschichte mit der Sehnsucht geschrieben wird, frei zu sein.

Ob wir als Kirche die Kraft der Sehnsucht und die Wucht der Freiheit  der Botschaft des Evangeliums mit den Kerzen des Gebetes und der Verehrung zum Symbol der Liebe Gottes so Wirklichkeit werden lassen können, dass die Kirche zum Symbol - das II. Vaticanische Konzil sagt sogar zum Sakrament - der Gegenwart Gottes in der Welt wird. Geben wir ihr die missionarische Kraft durch unser alltägliches Tun als Christen in unserer Welt. Bei diesem missionarischen Zeugnis segne Sie und Ihre Familie unser Gott, der die Liebe ist.

Herzlich Ihr

 

 

 

 

 

Pfarrer Bertram Tippelt

 

 




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