Benjamin Bitterling in Ghana / Afrika

Seit September 2003 ist unser Ex-Oberministrant Ben in Ghana in Afrika und leistet dort seinen Zivildienst. Hier einige Erfahrungen von ihm:

„Ich arbeite im Projekt „Aktion Lichtblicke“. Die Initiative kam aus Deutschland, aus dem Orden der Salesianer Oblaten. Hier vor Ort wird das Projekt mittlerweile von zwei ghanaischen Streetworkern geleitet: Brother Bonney und Brother Evans. Nun ist auch eine weibliche Mitarbeiterin dazugestoßen, Sister Teresa, die im neuen Mädchenhaus als Betreuerin arbeiten wird. Die Volontäre bleiben jeweils nur für ein Jahr.

Ich gebe unter der Woche vormittags Stunden für die Kinder, die noch nicht soweit sind, zur Schule zu gehen.

Die Kinder, die in diesen Stunden vor mir sitzen, kommen teilweise direkt von der Strasse. Ihnen fehlt es oft auch an grundlegender Erziehung, Konzentration oder den nötigen Englischkenntnissen. Es ist allgemein üblich, die Kinder hier in der Schule zu schlagen. Da wir das nicht tun, fehlt uns natürlich auch ein Stück Autorität. Es gibt dann schon Tage, die richtig anstrengend werden können. Aber dennoch macht mir die Arbeit sehr viel Spaß, da sich auch regelmäßig kleine Erfolge einstellen und ich mir jeden Tag etwas Neues ausdenken muss, wie ich die Kinder zum Arbeiten bekomme.

Wie vielleicht einige von euch wissen, habe ich Blechblasinstrumente aus Deutschland mitgebracht. Zusammen mit Erich, der sich selbst das Posaunespielen in den letzten Monaten beigebracht hat, habe ich im FCP [First Contact Place of St. Francis de Sales] eine kleine Bläsergruppe aufgebaut. Dann übernachtet jeder von uns einmal in der Woche im FCP. Das ist zwar ziemlich anstrengend, da die Nacht im Schnitt dann nur 4 Stunden lang ist (die Ghanaer sind passionierte Frühaufsteher); man lernt dadurch aber auch die Kinder um einiges besser kennen.

Zusammen sind wir vier „Zivis“ (genau genommen sind wir „Friedensdienstleistende“): Dominik aus Krefeld, Erich aus Overbach (Nähe Aachen) und Samuel, der sein Elternhaus in Paderborn hat, jedoch neun Jahre in Leipzig die Thomasschule besucht hat und meine Wenigkeit aus Berlin stammend.

Wir alle machen Musik, was uns schon manch guten Zugang zu den Kindern verschafft hat.  

Die Ghanaer sind unheimlich offen, freundlich und zuvorkommend. Weiße sind vor allem hier im Slum eine absolute Besonderheit und wir werden nicht nur von Kindern schon von weitem begrüßt („Oboruni, wu ho te sen?“ – ‚Weißer Mann, wie geht es dir?’). Die Ghanaer hier fragen nicht nur uns, sondern sich auch untereinander ständig: Wie geht es dir, wohin gehst du, wie heißt du, wo lebst du? Das machen selbst dir vollkommen fremde Leute. Diese Smalltalks helfen ungemein, einen schnellen Zugang in die Kultur zu finden, können an gewissen Tagen allerdings auch schon mal nerven.

Dann gibt es hier ein total anderes Zeitverständnis. Verabredungen werden grundsätzlich nicht pünktlich eingehalten. Regelmäßig wartet man auf irgendwelche Leute, die in einigen Fällen sogar gar nicht mehr kommen. Das war am Anfang für uns frustrierend, da dieser Umstand alle Formen von Organisation erheblich erschwert. Jedoch hat es auch sein Gutes, da wir uns selber keinem Stress mehr auszusetzen brauchen.
Derzeit herrscht hier die "Hamatan Season", eine Art ghanaischer Winter. Der Hamatan ist ein von der Sahara kommender trockener Wind, der sehr viel Staub mit sich bringt. Diese Nacht hat es dann das erste Mal seit langem in der Trockenzeit wieder geregnet. Der dicht fallende Regen machte einen ohrenbetäubenden Krach, der durch unser Blechdach nur noch verstärkt wurde. Kurz vor dem Regen wurde es ziemlich kühl und ich war froh, dass ich immer eine Decke bei mir habe. In der Trockenzeit sind eigenartigerweise mehr Moskitos unterwegs.

Mich hatte es gleich am ersten Wochenende im neuen Jahr mit Malaria erwischt. Es fing alles mit einer Erkältung an, die sich aber nicht bessern ließ. Ich habe dann sehr schlecht geschlafen und bin morgens noch müder und schlapper. Als ich dann noch leichtes Fieber bekam, machte ich einen Labortest... und hatte die Gewissheit: Malaria. Dann ab zum Arzt, der mich gleich mit Medikamenten überhäufte, was allgemein in Ghana üblich ist. Nach zwei Tagen Ruhe, in denen ich viel geschlafen hatte, ging es mir jedoch wieder ganz passabel.“

Benjamin Bitterling

(aus „3. Rundmeldung“ vom 22.01.04

und www.aktion-lichtblicke.de)




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