Das Wort 20.2.2010 RBB 88,8

Es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen

 

Offene Kinderaugen, lachende Gesichter, frohes Treiben im Schnee, Bewegung, Schlittenfahren, nasse Sachen, so kann ich die Stimmung umschreiben, die uns auf unserer kurzen Reise in den Winterwald umgab und beflügelte.
Jedes Jahr fahren die Kinder unserer Gemeinde, die sich auf die Erste Heilige Kommunion vorbereiten, für ein paar Tage gemeinsam in die Natur. Diese Gemeinschaft ist ein wunderbares Geschenk.

Wir essen und trinken, beten und spielen, singen und tanzen miteinander. Wir verlassen unseren Alltag: die Jugendlichen, um mit den Kindern zu spielen, die Mütter, die die Kinder als Katechetinnen begleiten und die Kinder, um im wahrsten Sinn, Gott und die Welt kennen zu lernen.

 

Wir wohnen und leben miteinander. Ganz bewusst suchen wir Zeiten für Gott im fröhlichen Treiben des Tages.

Zum Beispiel morgens:

draußen unter den großen Bäumen im kalten Schnee. Wir stehen noch ganz benommen von der natürlich zu kurzen Nacht und danken Gott für den Schlaf und den neuen Morgen.

Oder mittags:

Es läutet die Glocke, die mitten auf dem Gelände in einem freien Glockenstuhl hängt und durch das herunterhängende Seil erst durch den Einsatz der ganzer Kinderkörperkraft zum Schwingen und Klingen gebracht werden muss. Wir beten für den Frieden in der Welt und denken an die vielen Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns.

Wir üben Solidarität und Dankbarkeit. Wir lernen: Gerechtigkeit braucht viele Menschen, Versöhnung Barmherzigkeit, Füreinander Dasein Sensibilität, Dankbarkeit ein waches Herz.

So wird Gott trotz seiner Unsichtbarkeit spürbar: verborgen, ganz tief, unmissverständlich.

Ich merke: in den offenen Kinderaugen und den lachenden Gesichtern ist die Begegnung mit dem Geheimnis unseres Lebens das Licht der Liebe Gottes sichtbar. Hinter der schönen, erlebnisreichen Winterferienzeit, ist die tiefere Ebene des Glücks, die Begegnung mit dem liebenden Schöpfergott erfahrbar. Jede Schneeflocke, jeder Sonnenstrahl, jede Pflanze, jedes Tier, jeder Mensch ist mir liebevoll geschenkt: Licht der Liebe, Berg der Verklärung.

Wir sitzen in einem großen Kreis um den Altartisch herum und bringen in unserem Gottesdienst all unsere Erlebnisse und Fragen unsere Freude und Dankbarkeit auch unseren Kummer und das Leid in die Mitte. Im Brot und im Wein legen wir es auf den Altar. Wir bitten Gott um seine Gegenwart, weil er die Liebe ist, die alles heilt und wandelt. Wir begreifen Gott ist da. Er trägt uns. Er stiftet eine Gemeinschaft, die die Seele berührt und uns zu Freunden macht, die die Welt so verändern kann, dass der Himmel sichtbar wird.
Im heutigen Bibeltext, der in allen katholischen Gottesdiensten an diesem 2. Fastensonntag gelesen wird, werden wir mit einer kleinen Gruppe auf einen Berg geführt und sehen den Himmel offen. Den Begleitern Jesu wird die Erfahrung des Himmels geschenkt: ein unglaubliches Licht und eine Gemeinschaft, die die Zeit verschmelzen lässt. Die Vergangenheit und Zukunft werden zeitlos Gegenwart. Das Glück ist zum Greifen nahe und einer der Beteiligten Petrus sagt: Es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen.

Manche Momente im Leben wollen wir festhalten und in ihnen unser Leben einrichten. Diese Spuren des Himmels sind wirklich da. Sie öffnen die Augen und machen die Gesichter froh und berühren die Seele. Sie geben dem Leben ein neues Licht.

Ich wünsche Ihnen an diesem Sonntag einen solchen Augenblick des Himmels. Seien Sie gewiss: in der kommenden Woche sind auch sie im Licht des Himmels geborgen und es ist gut, dass sie da sind.

 




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