Liebe Gemeinde,

helles Licht, die Nacht wird Tag. Bewegung ohne Ende, Neues entsteht. So kann man vom Besichtigungsturm das Entstehen des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg-International, eine der größten Baustellen des Landes, betrachten. Ostern? Die Nacht wird zum Tag. Das Leben scheint nicht zu erlöschen? Bei alldem bleiben wir aber in der Endlichkeit unseres Daseins gefangen.

Wir bereiten das wichtigste Fest unseres Glaubens vor: Ostern, Auferstehung, Überwindung des Todes. Es  verbinden sich die wichtigsten Daten unseres Glaubens: Gott zeigt seine bedingungslose Liebe zu den Menschen. Die Liebe überwindet den Tod. Der Mensch ist aufgehoben in die Herrlichkeit Gottes. Er ist nicht nur über den Tod hinaus geliebt, sondern der Mensch hat ein Leben, das schon jetzt in die Ewigkeit reicht. Das gilt für alle Menschen: Gläubige und Ungläubige, Atheisten und Theisten, Mächtige und Ohnmächtige, Freie und Sklaven, Männer und Frauen, Christen, Muslime und Buddhisten. Es gilt für jeden Menschen. Wir dürfen nicht nur annehmen, dass unser Leben ewig währt, es ist so. Ostern feiert dieses Geheimnis, genauer das Bewusstwerden dieser Wirklichkeit durch die österlichen Ereignisse. Jesus wird von den Frauen wahrgenommen. Sie begegnen dem Auferstehenden im Garten. Die Jünger erkennen das leere Grab, die vollen Netze, das bereitete Mahl und beginnen zu glauben. Thomas wird berührt und berührt den Auferstandenen, die Wirklichkeit der Ewigkeit, die Jenseitigkeit des Lebens, die nie endende Leben stiftende Liebe Gottes. Kurz, das Ziel aller Schöpfung: die Vollendung.

Kölner Miniaturisten haben im Benediktinerkloster Groß-Martin vermutlich im 13. Jahrhundert das Evangelistar geschaffen, aus dessen Miniaturen ein Blatt unsere Osterpfarrbrieftitelseite schmückt und unmissverständlich noch 700 Jahre später verkündet: Christus ist wahrhaft auferstanden. Der Auferstandene erscheint in der offenen goldenen Pforte der Stadt Jerusalem. Für einen kurzen Moment öffnet sich den Jüngern die himmlische Herrlichkeit. Das Gold des Bildgrundes möchte darauf hinweisen. Die Begegnung mit dem Auferstandenen ist sehr persönlich und hat den Charakter der Anbetung. Die Gebetshaltung der Jünger lädt uns ein, dieses Geheimnis unseres Lebens, die Liebe Gottes anbetend zu betrachten und danksagend wahrzunehmen inmitten unserer Zeit. Das ist der Kern des Osterfestes: Wir Menschen nähern uns dem Geheimnis der Auferstehung und ahnen, dass dieses Geschehen das persönliche Leben zutiefst betrifft. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns den Weg in die Herrlichkeit der Liebe durch seinen Sohn Jesus geöffnet hat. Das Dunkel des Todes ist überwunden. Das Leben ist in die Ewigkeit geboren. Neues ist geworden. Die Endlichkeit ist überwunden. Wir sind in die Herrlichkeit Gottes, seine Liebe befreit. Es ist ein herrliches Wissen des Glaubens, dass das persönliche unvollkommene Leben grundsätzlich in das neue Licht der Liebe Gottes stellt und dadurch verändert. Gelassenheit, Friede und eine tiefe Freude kehrt ein.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie beim Feiern der österlichen Geheimnisse diese Erfahrung der Nähe Gottes, die alles heilt, was verwundet ist, von ganzem Herzen.

Ihr Pfarrer

 

 




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