Liebe Gemeinde,

 

bei lauer Abendsommerluft sitze ich und denke über die Worte des kommenden Sonntagsevangeliums nach: Jesus, das Brot des Lebens, die Aufregung der Jünger, die dieses Wort nicht verstehen können; ähnlich wie wir. Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Wir neigen wie die Jünger zum naturalistischen Missverständnis. Sind doch Essen und Trinken die Grundbedürfnisse des Lebens.

Der gesättigte Körper ist aber nur die eine Seite des menschlichen Lebens, diesseitig, sehr direkt, sehr notwendig zugegeben, aber es ist nicht die ganze Wahrheit.

Der Mensch braucht genauso dringlich Nahrung für die Seele. Sie ist der Sinn für sein Sein, der Bezug zu seinem Ursprung, die Vision seines ganz persönlichen Lebensziels.

Hierin ist das Verständnis für das Wort Jesu zu suchen. Er gibt sich hin für uns und ermöglicht uns so den Weg zum Vater, zur Ewigkeit. Er öffnet uns durch seine Hingabe den Weg in die eigene, persönliche Zukunft, den Weg in die Geborgenheit der Liebe Gottes, jenseits des Todes. Es ist eine Wirklichkeit, die uns alle umgreift und die für jeden Menschen Sättigung und Vollendung an Leib und Seele bedeutet.

Dieses ist der Auftrag an das Leben: Nahrung werden füreinander, sich geben, um andere zu sättigen und selbst gesättigt zu werden.

Es ist die Liebe, die die Menschen zutiefst berührt und eine Sehnsucht hervorruft, die wir uns nur in Anfängen schenken können. Sie spürt den Himmel in unserer Seele auf und treibt uns hoffnungsvoll ins pure Leben. Das bringen unsere Kinder und Jugendlichen aus den Ferien mit. „Um Himmels Willen gebt die Erde nicht auf ...“, so singt es aus den Kinderherzen, in Erinnerung an die Tage auf der Insel Usedom, am Ostseestrand in Zinnowitz und im Gemeindezentrum hier in der Gropiusstadt.

Hier, wo wir leben, gibt es den Hunger nach Liebe. Es ist genug da, dass alle satt werden. Allein am Menschen liegt es, wie wir die Ressourcen verteilen.

Geben ist die Voraussetzung zum Empfangen. In der Feier, der heiligen Eucharistie ist diese Gabe Gottes, die Liebe, Gegenwart. Wir bringen unsere Welt zum Altar: die Sorgen und Nöte, die Bitten und den Dank der Menschen unserer Stadt.

Gott berührt sie durch seinen Sohn und lässt unsere Gabe sein Leib und Blut werden, damit es uns Leib und Blut wird:

Der Künstler Max Beckmann hat das bemerkt und in seiner Zeichnung festgehalten. Feiern wir also Erntedank für alle in unserer Stadt. Gott segne Sie und Ihre Familie.

Herzlich Ihr  Pfarrer 

 

Bertram Tippelt

 

 




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